Wacken Open Air:  Dosenravioli nun im Supermarkt auf Festivalgelände

Markt statt Musik

Der Metal-Markt erfreut sich großer Beliebtheit. Die in Wacken ansässigen Supermärkte dürften den Besucherschwund deutlich spüren. Fotos: dpa

Wacken – Die Geschichte vom kleinen Dorf Wacken, das vom großen Heavy-Metal-Festival profitiert, ist legendär. Jetzt hat eine Supermarktkette einen Laden auf dem Festivalgelände eröffnet. Ist der Reibach für das Dorf nun vorbei? Die Schlange zieht sich schon am Vormittag über den gesamten Platz vor dem neuen Supermarkt. Die Kette Kaufland ist erstmals mit einer Filiale direkt auf dem Festivalgelände dabei, dem Metal Markt. Andere Festivals haben bereits vorgemacht, wie es geht.

Die Preise sind die gleichen wie in jeder anderen Filiale, das Sortiment hingegen ist speziell auf die Wackinger zugeschnitten: Dosenravioli, Jack Daniels, Eiswürfel, überlange Strohhalme und Grillfleisch haben deutlich prominentere Plätze. „Der Markt musste bislang schon zweimal kurzzeitig wegen Überfüllung geschlossen werden“, erzählt der Projektleiter der Filiale, Stefan Wachholz. Unter anderem dafür gebe es bis zu zwölf Sicherheitsleute.

Die Besucher sind angetan. „Das Einkaufen hier geht ratzfatz, der Ort ist so weit weg von den Campingplätzen“, sagt Olli, während er kistenweise Einkäufe aus dem Laden trägt. Der Markt sei „sehr praktisch“, findet auch Enrico. Den Großeinkauf für das Festival hätten er und seine Freunde zwar schon vorher gemacht, aber so müsse man für Besorgungen zwischendurch nicht in den Ort.

Vor dem kleinen Edeka-Supermarkt an der Wackener Hauptstraße bilden sich keine Schlangen. Im Inneren des Ladens gibt es zwar schon am Donnerstagvormittag leere Regale. Den großen Ansturm wie in den vergangenen Jahren scheint es bislang aber noch nicht gegeben zu haben. Der Inhaber möchte sich dazu auf Nachfrage aber nicht äußern.

Auch die beiden großen Supermärkte am Ortsrand, Edeka und Netto, an deren Parkplatz für viele der Wacken-Aufenthalt beginnt, wollen nichts sagen. Klar ist aber: Sie rechnen fest mit der schwarz gekleideten Kundschaft, schon am Eingang werden Campingutensilien angeboten, die Netto-Verkäufer tragen „Wacköön“-Shirts. Vor dem Laden wurde eine Lounge aufgebaut.

Dass das Dorf mitfeiert und mitverdient, gehört – neben dem Clash der Kulturen – zum Kultstatus rund um Wacken. Das funktioniert aber nur, solange die Besucher das Festivalgelände nordwestlich von Itzehoe und Hamburg zwischendurch auch mal verlassen müssen. Davon, dass sie dem 1 800-Seelen-Ort die Geschäfte wegnehmen, möchte Kaufland nichts wissen: „Wir sind nur eine Ergänzung während des Festivals“, sagt Wachholz. Den Veranstaltern des Wacken Open Airs wird seit Jahren vorgeworfen, dass sie sich von ihren Wurzeln entfernt haben und zunehmend nach Kommerz streben. „Das Festival ist Jahr für Jahr gemeinsam mit seinen Fans zu dem geworden, was es heute ist“, sagt der Sprecher des Veranstalters, Gunnar Sauermann. Es sei einfach nicht möglich, es jedem recht zu machen.

Das Geschäft sei besser als erwartet, sagt einer, der es wissen muss. Justin parkt mit seinem Kettcar vor dem Edeka an der Hauptstraße. Der 17-Jährige fährt seit sechs Jahren die Einkäufe der Festivalbesucher, manchmal auch die Metalheads selbst, bis zum Eingang des Geländes. Natürlich seien die Befürchtungen groß gewesen, als sie von der Eröffnung des Metal Markts hörten. Bislang laufe es aber recht gut, ohnehin sei jedes Jahr sehr unterschiedlich. „Es ist nach wie vor sehr gutes Geld, für das, was wir machen.“  dpa

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