Maritime Konferenz soll Leitlinien für Schifffahrt bringen

Vom Meer an den Bodensee

Schiffbau geht nicht nur an der Küste vonstatten. Viele Zulieferer sitzen im Landesinneren. Darum verschlägt es die Maritime Konferenz an den Bodensee. Foto: dpa

Friedrichshafen/Kiel – Mehr als 800 Politiker, Unternehmens- und Verbandsrepräsentanten, Gewerkschafter, Marinevertreter und Experten kommen ab Mittwoch zur 11. Nationalen Maritimen Konferenz in Friedrichshafen am Bodensee zusammen. Erstmals nach 20 Jahren tagt die Konferenz im Binnenland, um die Bedeutung der Zulieferindustrie zu unterstreichen und das Gewicht der maritimen Wirtschaft außerhalb Norddeutschlands.

Bayern, Baden-Württemberg, aber auch NRW sind bedeutende Standorte für die Schiffbau-Zulieferindustrie mit Unternehmen wie MAN, Siemens, MTU, ZF und vielen weiteren Anbietern von Navigations- und Antriebstechnik. Allein die Zulieferindustrie beschäftigt bei einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro mehr als 63 000 Mitarbeiter. Rund 80 Prozent der Wertschöpfung beim Bau eines Schiffes entfallen auf die Zulieferungen. Der maritimen Wirtschaft werden 50 Milliarden Euro Umsatz und 400 000 Arbeitsplätze zugeordnet.

Die deutschen Werften – mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz und fast 20 000 Beschäftigte – fordern vor allem faire Wettbewerbsbedingungen, um sich der chinesischen Offensive zu erwehren. China will in den Bau hochkomplexer Kreuzfahrtschiffen einsteigen, der Domäne des deutschen Schiffbaus. „Seit Jahrzehnten erleben wir Marktverzerrungen ohne Gegenmittel“, sagt Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VSM. „Das muss aufhören.“

Die Reedereien, denen immer noch die schwere Schifffahrtskrise der vergangenen zehn Jahre in den Knochen steckt, sind ebenfalls an gleichen Wettbewerbsbedingungen interessiert, vor allem gegenüber den europäischen Nachbarländern. Die deutsche Handelsflotte ist von einstmals 3 500 auf knapp 2 300 Schiffe geschrumpft, die Zahl der Reedereien von mehr als 400 auf 330. Die Schifffahrt findet nur noch schwer Zugang zu Krediten und fühlt sich zudem durch spezielle Steuerregeln benachteiligt.

Die Gewerkschaften verlangen, dass der Schiffbau aufgewertet wird. „Von Wirtschaftsminister Peter Altmaier erwarten wir in Friedrichshafen eine klare Zusage, dass die maritime Wirtschaft in der nationalen Industriestrategie aufgegriffen wird“, sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

„Wir wollen ein internationales Signal setzen; deshalb ist auch mein französischer Kollege dabei“, sagt Norbert Brackmann (CDU), der Maritime Koordinator der Bundesregierung und Gastgeber der Konferenz. Geplant sei die Verabschiedung eines europapolitischen Papiers für eine noch bessere Zusammenarbeit in Europa, vor allem im Bereich der Forschung. 

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.