Auch Kaltwasserkorallen wie diese Exemplare von der norwegischen Küste werden durch die zunehmende Versauerung der Meere nachhaltig beschädigt. J Foto: JAGO-Team GEOMAR
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Auch Kaltwasserkorallen wie diese Exemplare von der norwegischen Küste werden durch die zunehmende Versauerung der Meere nachhaltig beschädigt.

CO2 im Meer lässt die Küsten erodieren

Eine Nahrungsquelle stirbt

Kiel - Von Karena Hoffmann-Wülfing. Für jeden siebten Mensch ist Nahrung aus dem Meer überlebenswichtig. Korallenriffe schützen vor Überflutungen und Küstenerosionen und sind Hotspots der Artenvielfalt. Binnen weniger Jahrzehnte könnten diese wichtigen Funktionen des Meeres verloren gehen, zeigt ein Forschungsprojekt.

Ohne konsequente Gegenmaßnahmen werde die Versauerung der Ozeane weltweit dramatische Folgen haben, sagte der Kieler Meeresforscher Ulf Riebesell. Er hat ein deutsches Forschungsverbundprojekt zur Ozeanversauerung koordiniert, das nach acht Jahren nun zu Ende gegangen ist.

Die genannten Folgen würden unweigerlich eintreten, sollten die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) nicht bis 2050 in Richtung null gesenkt werden, sagte Riebesell. Andernfalls würden die Fischbestände drastisch zurückgehen, die Artenvielfalt abnehmen und die Küsten in tropischen Gebieten stark erodieren, sagte der Wissenschaftler vom Kieler Forschungszentrum Geomar.

Im Projekt „Bioacid“ (Biological Impacts of Ocean Acidification – Biologische Auswirkungen von Ozeanversauerung) untersuchten mehr als 250 Wissenschaftler 20 deutscher Forschungsinstitute den Einfluss der Ozeanversauerung auf natürliche Tiergemeinschaften. Wichtigste Erkenntnis: Sollte die globale Erwärmung nicht auf zwei Grad begrenzt werden, kann das Meer in Zukunft nur noch eingeschränkt als Nahrungslieferant und „Küstenschützer“ dienen.

In manchen polaren Regionen sei das Wasser jetzt schon korrosiv, sagt „Bioacid“-Koordinator Riebesell. Das bedeutet, dass Tiere mit Schalen und Skeletten aus Kalk, zum Beispiel Korallen, Muscheln und Seeigel, in ihrer Lebensweise beeinträchtigt sind, weil ihre Kalkstrukturen sich aufzulösen beginnen. Im Jahr 2050 könnten – bei anhaltenden CO2-Emissionen – mehr als 70 Prozent der polaren Meeresgebiete korrosiv sein, sagt Riebesell.

Korallenriffe haben Schlüsselfunktion inne

Eine Schlüsselfunktion für die Artenvielfalt haben Korallenriffe. Sterben sie infolge von globaler Erwärmung und Versauerung des Wassers, werden viele Tierarten ihren Lebensraum verlieren. Große Artenvielfalt ist die Voraussetzung für eine Anpassung an veränderte U mweltbedingungen. Zudem schützen die den tropischen und subtropischen Küsten vorgelagerten Korallenriffe vor Überflutungen und Landverlust, indem sie die Strömung bremsen und Wellen brechen.

Die „Bioacid“-Forscher wiesen auch nach, dass die Larven vieler Meerestiere besonders empfindlich auf Versauerung reagieren. So sanken die Überlebensraten junger Dorschlarven im Experiment um die Hälfte. Modellberechnungen ergaben, dass bei anhaltender Versauerung in wenigen Jahrzehnten der Dorschbestand auf ein Viertel bis ein Zwölftel des aktuellen Bestands sinken könnte.

Mit Blick auf die Ernährung der Bewohner tropischer und subtropischer Gebiete warnt Riebesell: „Besonders arme Länder sind auf Nahrung aus dem Meer angewiesen.“ Führende Industrieunternehmen fordert er zum Handeln auf: „Warum nicht mal seiner Zeit vorausgehen und den dringend notwendigen Wandel aktiv mitgestalten?“ 

dpa

Hintergrund: Saures Meer?

Mit der „Versauerung der Meere“ wird beschrieben, dass der pH-Wert des Meerwassers abnimmt. Die Ursache dafür ist der steigende Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid. Während mehr CO2 in der Erdatmosphäre allgemein zu höheren Temperaturen führt, speichert das Meer das Treibhausgas. Deshalb gelten Ozeane auch als Kohlenstoffsenken. Das CO2 löst im Meer eine chemische Reaktion aus, die zu sinkenden pH-Werten führt. - kab

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