Lübeck bereitet ein neues Verkehrskonzept für die Altstadt vor

Mehr Raum für Fußgänger

Die Straße Beckergrube soll ab Mai 2020 für ein Jahr auf rund 400 Metern Länge vor dem Theater verkehrsberuhigt werden. Foto: dpa

Lübeck – Durchgangsverkehr raus, Grün rein – das ist der neue Plan für die Lübecker Altstadt. Anstelle von Autos, die die Innenstadt nur als Abkürzung nutzen oder in den schmalen Straßen nach einem Parkplatz suchen, sollen künftig Fußgänger und Radfahrer in der Innenstadt den Ton angeben. „Ziel ist es, mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, von der auch Einzelhandel und Gastronomie profitierten“, sagte Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos). Ob das funktioniert, will die Hansestadt Lübeck von Mai 2020 an mit einem einjährigen Verkehrsversuch im Bereich zwischen dem Koberg und der Beckergrube testen. Dort soll unter anderem vor dem Theater ein Platz entstehen, der zum Verweilen einlädt.

Wie genau der Platz aussehen soll, steht noch nicht fest. Ideen dazu sollen unter anderem die Anlieger entwickeln. „Wichtig ist uns, dass dort Aufenthaltsqualität entsteht. Die fehlt bislang in der Beckergrube nämlich völlig“, sagt Hagen.

Noch dominiert Autoverkehr die rund 400 Meter lange Beckergrube, durch die bislang nach Angaben der Hansestadt Lübeck elf Buslinien und mehr als 7 000 Autos pro Tag fahren. „Etwa die Hälfte davon ist reiner Durchgangsverkehr, der soll hier künftig nicht mehr fahren“, erläutert Stadtplanerin Julia Lindfeld das Konzept.

Für den Verkehrsversuch soll zwischen dem Koberg und der Straße Fünfhausen die Fahrbahnbreite von jetzt zehn auf sechs Meter verringert werden. Die zulässige Geschwindigkeit wird von 30     auf zehn Kilometer pro Stunde gesenkt. Nur Linienbusse, Taxen, Rettungswagen, Lieferanten und Anwohner dürfen den Bereich befahren. Die dortigen Parkplätze entfallen, doch das Parkhaus St. Marien mit 650   Plätzen bleibt erreichbar.

Viele Einzelhändler und Gastronomen im Versuchsgebiet stehen den Plänen aufgeschlossen gegenüber. Sie könne sich ein Lese-Café vor ihrem Laden vorstellen, sagt eine Buchhändlerin. Der Geschäftsführer des Restaurants Schiffergesellschaft, Frank Höhne, verweist darauf, dass Durchgangsverkehr keine Kunden bringe. „Es ist gut, das Durchfahren zu unterbinden“, sagt er.

Zurückhaltender ist dagegen die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck. Der Verkehrsversuch sei gut, dürfe aber nicht zum Einfallstor für eine komplett autofreie Innenstadt werden, mahnt Martin Krause, der bei der IHK Lübeck für Standortpolitik zuständig ist. Für das Lübeck Management, das die Interessen der gewerblichen Wirtschaft vertritt, ist es nach Angaben seiner Geschäftsführerin Olivia Kempke wichtig, dass Lübeck auch weiterhin erreichbar ist und dass das auch so kommuniziert wird. Der Verkehrsversuch ist Teil des Rahmenplans Innenstadt, an dem Verwaltung, Interessenverbände und Bürger seit 2018 gearbeitet haben. Erstmals konnten sich Bürger unter dem Stichwort „Lübeck übermorgen“ in einer Zukunftswerkstatt ganz aktiv an den Planungen beteiligen und ihre Wünsche und Ideen einbringen.  dpa

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