Gewerkschaft Verdi macht mit Aktion auf Pflegenotstand aufmerksam / Aus Zeitmangel abgebrochen

Mehr Zeit für Desinfektion im Krankenhaus

Gesundheitsminister Garg (FDP) verspricht Abhilfe. J Foto: dpa

Kiel/Hamburg - Mit einem bundesweiten Aktionstag hat die Gewerkschaft Verdi am Dienstag den Pflegenotstand in Krankenhäusern in den Fokus gerückt. In Krankenhäusern in Schleswig-Holstein und Hamburg forderten Stationsteams demonstrativ die Zeit ein, um sich ordnungsgemäß die Hände nach jedem Patientenkontakt zu desinfizieren. Hierfür fehle mangels Personal die Zeit. Die Aktion habe jedoch im Städtischen Krankenhaus Kiel sowie in Hamburg aber schon kurz nach Beginn abgebrochen werden müssen, um die Patienten zu versorgen – es habe nicht genug Ersatzpersonal gegeben.

In Schleswig-Holstein fehlen laut Verdi etwa 6 000 Stellen, in Hamburg 4 200. Wegen des Pflegemangels komme es inzwischen vor, dass Stationen geschlossen und die Patienten auf andere Stationen verteilt würden.

Die Gewerkschaft verwies auf das Bundesgesundheitsministerium, demzufolge die Zahl behandlungsassoziierter Infektionen zwischen 400 000 und 600 000 jährlich liege, die der Todesfälle sogar bei bis zu 15 000. Eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen sei die Desinfektion der Hände, die laut Richtlinien des Robert-Koch-Instituts vor und nach jedem Patientenkontakt 30 Sekunden dauern solle. Bis zu zwei Stunden würde eine Pflegekraft pro Schicht hierfür brauchen. „Wenn dafür die Zeit fehlt, stehen Menschenleben auf dem Spiel“, warnte Verdi. Die Gewerkschaft fordert verbindliche Personalvorgaben per Gesetz, die für alle Krankenhausbereiche gelten sollten.

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) zeigte Verständnis: „Pflegekräfte müssen ausreichend Zeit für ihre Patienten haben.“ Die Mitarbeiter der Kliniken forderten von der Bundespolitik daher zu Recht einen höheren Stellenwert der Pflege im Gesundheitssystem. Garg versprach: „Schleswig-Holstein wird daher den Sanierungsstau konsequent abbauen und zusätzlich rund 50 Millionen Euro Investitionsmittel für die Weiterentwicklung der Versorgungsinfrastruktur bereitstellen.“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Ärztin Marret Bohn, betonte, in Zeiten, in denen die Belastung mit multiresistenten Keimen zunehme, dürften Hygienemaßnahmen nicht abgebaut werden.

Die Koalition von CDU, Grünen und FDP wolle sich auf Bundesebene für einheitliche Personalmindestvorgaben, zusätzliche hoch spezialisierte Pflegekräfte und eine bessere Abbildung der Pflege in den Fallpauschalen einsetzen. „Darüber hinaus werden wir in Schleswig-Holstein die Erprobung einer spezialisierten Infektionsstation unterstützen und wissenschaftlich begleiten.“ J dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.