„Die Meinung des Anderen aushalten“

Bildungsministerin und Schüler schauen gemeinsam „Wildes Herz“

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Bildungsministerin Karin Prien (2. v. l.) schaut mit Schülern den Film über die Band Feine Sahne Fischfilet.

Lübeck - „Ich finde, dieser Film musste gezeigt werden“, sagt Bildungsministerin Karin Prien (CDU), als das Licht im Kino wieder an geht. Im Kommunalen Kino in Lübeck haben am Montag rund 80 Schüler der Grund- und Gesamtschule (GGS) Strand aus Timmendorfer Strand den Film „Wildes Herz“ über die umstrittene Polit-Punkband Feine Sahne Fischfilet und ihren Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow gesehen.

Mit der Vorführung hat Prien ihr Versprechen vom Dezember 2018 eingelöst, eine Ersatzvorstellung des Films zu organisieren. Die ursprünglich im Rahmen der Schultheaterwoche geplante Vorstellung in einem Kino in Bad Schwartau im Kreis Ostholstein war wegen einer Bombendrohung abgesagt worden. „Der Film hat mir gut gefallen. Er regt zum Nachdenken an“, sagte der 15-jährige Kai Kissman nach der Vorführung. 

In dem Dokumentarfilm zeichnen die Regisseure Charly Hübner und Sebastian Schultz ein Porträt von Gorkow und der Band, die in ihren Songs und ihren Aktivitäten massiv gegen Neonazis und deren Gedankengut eintritt. An der Vorführung und der anschließenden Diskussion nahmen auch Hübner und Schultz teil - für viele Schüler eine gute Gelegenheit, sich nach der Diskussion noch rasch ein Autogramm zu holen. Die Band ist wegen ihrer linken und teilweise staatskritischen Texte umstritten.

Auf die Frage eines Schülers an die Filmemacher, was sie angesichts der Bombendrohung gedacht hätten, sagte Hübner: „Ich hatte eigentlich schon viel früher damit gerechnet.“ Am Montag standen uniformierte Polizisten vor dem Eingang des Kommunalen Kinos in der Lübecker Altstadt. Nach Angaben des Bildungsministeriums hatte sich das Kino bereits einen Tag nach der Absage der Vorführung in Bad Schwartau bereit erklärt, den Film zu zeigen.

„Wer von euch würde denn nach diesem Film zu einem Konzert der Band gehen?“, fragt Schulleiter Hans-Georg Rath. Zahlreiche Hände gehen nach oben. „Ich finde es gut, wofür die Band steht“, sagt ein Schüler. Kunstfreiheit sei ein Gradmesser einer demokratischen Gesellschaft, sagt Prien. „Gerade wenn man unterschiedlicher Meinung ist, ist es wichtig, im Gespräch zu bleiben und zu lernen, die Meinung des anderen auszuhalten.“  

dpa

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