Undercover aufgedeckt

Skandal-Milch aus dem Norden: Flensburger Horror-Milchbetrieb auf deutschen Frühstückstischen

In vielen Haushalten steht sie jeden Morgen auf dem Frühstückstisch: die Billig-Horrormilch aus dem Norden. Eine Undercover-Recherche deckt auf, was da in das Müsli oder in den Kaffee kommt. Haben Sie beim Einkaufen auch zu der Skandal-Milch gegriffen?

  • Deutsches Tierschutzbüro: Videoaufnahmen aus Milchbetrieb in Flensburg.
  • Schockierende Bilder dokumentieren Tierquälerei Staatsanwaltschaft ermittelt.
  • Hamburg* und Bremen*: Menschen kaufen betroffene Produkte täglich in Supermärkten.

Flensburg – Ein kleiner, regionaler Milchbetrieb nahe Flensburg (Schleswig-Holstein) wirkt recht unscheinbar. Doch innerhalb kürzester Zeit verwandelt er sich zum Skandal-Betrieb, gegen den sogar die Staatsanwaltschaft ermittelt – ein krasser Imagewandel. Auslöser ist eine Undercover-Recherche des Deutschen Tierschutzbüros.

Stadt in Schleswig-HolsteinFlensburg
Fläche56,38 km²
Wetter19 °C, Wind aus W mit 19 km/h, 61 % Luftfeuchtigkeit
Bevölkerung85.942 (31. Dez. 2015)
Vorwahl0461
BürgermeisterinSimone Lange

Deutsches Tierschutzbüro: Video aus Milchbetrieb (Schleswig-Holstein) – Bilder zeigen Tierquälerei

Dem Deutschen Tierschutzbüro wurden Videoaufnahmen aus besagtem Milchbetrieb in Wees bei Flensburg zugespielt. Die Tierschützer machten das Video daraufhin öffentlich. Die Bilder zeigen, wie die Kühe brutal misshandelt werden. Es ist erkennbar, wie Tieren ins Gesicht getreten wird. Sie werden mit Besenstielen geschlagen werden, weil sie sich nicht schnell genug in den Melkstand bewegen. Ein Mitarbeiter, offenbar der Sohn des Betreibers, schreit die Kühe an: „Meine Fresse, du behinderte Mistsau!“, „Mann, du dämliches Scheißvieh!“, „Gleich knallt das aber hier!“.

Versteckte Kameras dokumentieren Tierquälerei: Milchkühe getreten und geprügelt für Deutschlands größte Molkerei DMK.

Teilweise humpeln die Kühe, bei einigen erkennt man Verletzungen. „Mehrere Mitarbeiter*innen gehen extrem grausam mit den Kühen um, der brutale Umgang ist jedoch offenbar völlig normal in dem angezeigten Betrieb und gehört zur Tagesordnung“ kritisiert Jan Peifer. Er ist Vorstandsvorsitzender beim Deutschen Tierschutzbüro.

Tierquälerei in Milchbetrieb in Schleswig-Holstein: Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt

Eigentlich handelt es sich bei dem Milchbetrieb um ein kleines, regionales Familienunternehmen mit nur wenigen hundert Tieren. Brutale Tierquälerei ist hier auf den ersten Blick vermutlich nicht zu erwarten. „Ein maximaler Kontrast, zu der uns immer wieder vorgegaukelten schönen Werbewelt der Milchindustrie“, verdeutlicht das Deutsche Tierschutzbüro.

Die Tierschützer wurden direkt aktiv und haben mit einer Strafanzeige gegen die Inhaber des Milchbetriebs reagiert. Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat die Ermittlungen wegen Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bereits aufgenommen - „Nun müssen insbesondere die Aufnahmen, die die Tierquälerei zeigen sollen, ausgewertet und der Beschuldigte gehört werden“, sagte eine Sprecherin auf „Mopo“-Nachfrage.

Billig-Horrormilch aus Schleswig-Holstein bei REWE, Edeka, Aldi und Co: Diese Marken stecken dahinter

Wie das Deutsche Tierschutzbüro informiert, wird die Milch des besagten Betriebs an die Firma „Deutsches Milchkontor“ (DMK) in Nordhackstedt (Schleswig-Holstein) geliefert - dies habe der DKM bereits schriftlich bestätigt. Hinter diesem Unternehmen verstecken sich bekannte Milchmarken, die in jedem Kühlregal bei Supermärkten wie Rewe, Edeka oder Aldi zu finden sind: Milram, Humana und Alete. Tierschützer rufen daher die Verbraucher zum Boykott dieser Marken auf. Auf ähnliche Weise machen sich auch die Hamburger Vegan-Youtuber Gordon Prox und Aljosha Muttardi („Vegan ist ungesund“) für den Verzicht auf tierische Produkte stark.

Der Deutsche Milchkontor könne sich nicht vorstellen, die Zusammenarbeit mit dem Skandal-Milchbetrieb bei Flensburg zu beenden. Dies erklärte das Unternehmen gegenüber dem Deutschen Tierschutzbüro mit der Begründung, dass sie bei eigenen Kontrollen im Milchbetrieb nichts zu beanstanden hätten. „Es ist doch klar, dass ein Landwirt niemals eine Kuh schlagen oder misshandeln wird, wenn gerade ein Kontrolleur neben ihm steht“, meint Jan Pfeifer. Das Video würde die tatsächlichen Zustände abbilden.

Folter-Milch: So brutal werden Kühe in Flensburger Stall misshandelt – Schock: Die Milch steht in fast jedem Supermarkt

Das Milchregal in einem deutschen Supermärkten: Haben auch Sie schon zur Skandal-Milch aus Schleswig-Holstein gegriffen? (24hamburg.de-Montage)

Nach Auffassung des Deutschen Tierschutzbüros handele es sich bei den Zuständen, wie sie im beschriebenen Milchbetrieb dokumentiert worden sind, nicht um Einzelfälle. Mit ihrer der Undercover-Recherche „Das Leiden der Kühe – Geprügelt für Milch“ wollten die Tierschützer „aufzeigen, wie Kühe heutzutage gehalten werden und dass Milch alles andere als ein natürliches Produkt ist“. Indes gibt es heftige Reaktionen auf die „Horror-Milch“-Berichterstattung, 24hamburg.de berichtet. Die Nachricht, dass Puten-Küken in Niedersachsen eventuell „notgekeult“ werden könnten, hat ebenfalls schockiert.

Ähnliche Tierquälerei-Vorwürfe werden derzeit gegen einen weiteren norddeutschen Milchhof-Betreiber in Syke-Osterholz (Niedersachsen, nahe Bremen*) erhoben, darüber berichtet kreiszeitung.de.* Die öffentliche Debatte um Verbesserung der Zustände in der deutschen Nutztierhaltung und in Schlachtbetrieben wird außerdem durch die Coronavirus-Ausbrüche in mehreren deutschen Schlachthöfen*(24hamburg.de berichtete) angekurbelt, die sogar bei Markus Lanz (ZDF) thematisiert werden.* Selbst ehemalige Vertreter der Fleischindustrie stehen der Branche zusehens kritisch gegenüber: ein Ex-Metzger packte kürzlich mit erschreckenden Details über die Wurstverarbeitung aus. Tierschützer von PETA grillten einen Hund auf offener Straße, um Fleischesser zu provozieren. *24hamburg.de, nordbuzz.de und kreiszeitung.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Rubriklistenbild: © Nestor Bachmann/dpa/picture alliance

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