Militärseelsorger versorgt bei Marine-Rettungseinsatz auch Flüchtlinge

„Als hätten die die Pest“

Militärseelsorger Michael Gmelch sieht die Kirche in der Flüchtlingskrise in der Pflicht.
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Militärseelsorger Michael Gmelch sieht die Kirche in der Flüchtlingskrise in der Pflicht.

Flensburg - Der Flensburger Militärseelsorger Michael Gmelch hat eine theologische Annäherung zur Flüchtlingskrise verfasst. Unter den Eindrücken aus dem Einsatz auf einem deutschen Kriegsschiff im Mittelmeer sowie nach einer Reise nach Lampedusa schrieb der 56-Jährige das Buch „Refugees Welcome. Eine Herausforderung für Christen“.

Im Sommer, auf dem Oberdeck der „Berlin“, markierte Gmelch auf roten Armbändchen, was die Geretteten bereits erhalten hatten: Wasser, Reis, Decke. Auch Gmelch musste sich dabei in einen gelben Schutzanzug hüllen, „ganz so als hätten die die Pest“, sagt er. 30 Tage lang half der Priester auf dem Einsatzgruppenversorger der Bundeswehr bei der Rettung von Flüchtlingen in Seenot.

„Du nimmst sie an der Hand und sprichst kurz mit ihnen“, erzählt Michael Gmelch. Gern hätte er sich auch mal länger mit Flüchtlingen aus den meist überfüllten Booten darüber unterhalten, warum sie geflohen sind. Doch meist seien sie bereits etwa einen Tag nach der Aufnahme an italienische Behörden übergeben worden, winkend und voller Hoffnung, nicht wissend, was noch vor ihnen liegt. Seine Beobachtungen hielt er in seiner Kammer auf dem Schiff fest.

Insgesamt rettete die Deutsche Marine seit Beginn des Einsatzes „Humanitäre Hilfe zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen“ fast 10000 Menschen das Leben, würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Beginn der Woche in Kiel.

Doch mit Decken, Wasser, Reis oder ärztlicher Hilfe wie auf der „Berlin“ ist es nicht getan. „Jene Flüchtlinge, die berechtigterweise bei uns sind und bleiben, fordern uns“, sagt Gmelch nach den Begegnungen mit den Menschen, die vor Krieg und Terror flüchteten.

An der aktuellen Diskussion über Obergrenzen und Quoten will er sich nicht beteiligen. „Ich bin kein Sozialökonom, kein Politikberater und kein Rentenfuchs“, sagt er. Er wolle helfen: „Wir müssen Geld in die Hand nehmen, Bildungssysteme umbauen, Dialogfähigkeit fördern.“ Lange seien diakonische Aufgaben an die Caritas und andere Wohlfahrtsverbände ausgelagert worden. „Wir müssen innerhalb der Kirchengemeinden wieder neu entdecken, was Sozialdiakonie vor Ort bedeutet“, fordert der Seelsorger nun, der an der Offiziersschule der Marine unterrichtet und Offiziersanwärter zur See begleitet.

Überhaupt, findet Gmelch, habe sich die katholische Kirche seit seiner Priesterweihe fast immer nur mit sich beschäftigt, mit dem Verhältnis zu Protestanten, dem Missbrauchsskandal oder der Struktur der Seelsorge in der Fläche.

dpa

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