Aggressiver Erreger H5N5 beunruhigt Tierhalter und Politik

Geflügelpest: Minister Habeck fürchtet zweite Seuchenwelle

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In zwei Haltungen im Kreis Steinburg hat das Friedrich-Löffler-Institut einen neuen Geflügelpest-Erreger nachgewiesen.

Süderau/Kiel - Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einer neuen Variante bei Zuchttieren befürchtet Landwirtschaftsminister Robert Habeck eine zweite Seuchenwelle. „In den USA gab es 2014/15 während der Geflügelpest ein verändertes Virus“, sagte der Grünen-Politiker gestern.

Ausgehend davon sei es zu einer zweite Welle von Ausbrüchen gekommen. „Meine Sorge ist, dass es auch hier eine neue Welle geben kann“, sagte Habeck. „Wir müssen die Entwicklung genau beobachten und die Tierseuche konsequent bekämpfen.“

Unterdessen laufen im betroffenen Kreis Steinburg die Gegenmaßnahmen auf Hochtouren. „Wir ziehen zusätzliche Tierärzte heran, um umfangreiche Beprobungen auch in weiteren Betrieben im Sperrgebiet vorzunehmen“, sagte Landrat Torsten Wendt. Bisher haben Experten für zwei Haltungen eines Betriebes in Süderau mit insgesamt 18 400 Puten den sehr aggressiven Erreger des Subtyps H5N5 nachgewiesen. Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist mit dieser Variante genauso umzugehen wie mit dem bisher aufgetretenen und ebenfalls hochpathogenen Subtyp H5N8.

Für die zweite Haltung in Süderau hat mittlerweile auch das FLI die Variante H5N5 bestätigt, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Zuvor hatte schon das Landeslabor diesen Subtyp erstmals in einem Hausgeflügelbestand in Europa analysiert. Bisher waren davon nur Wildvögel betroffen. Übertragungen auf den Menschen sind bisher nicht bekannt.

Aus der ersten Haltung des Betriebes in Süderau sind mittlerweile alle Puten getötet worden, die noch nicht an der Seuche gestorben waren. Von 3 400 Tieren waren die ersten am Samstag verendet, binnen 48 Stunden war mehr als die Hälfte des Bestandes tot. Die Tötung der noch nicht an dem Virus gestorbenen Puten aus dem zweiten Bestand mit 15 000 Tieren ist gestern Morgen angelaufen. Aber auch in diesem Stall waren viele Puten schon verendet. In zwei weiteren Haltungen des Betriebes wurde das Virus bisher nicht festgestellt. Der Betrieb bleibt abgesperrt.

Die Herkunft des Geflügelpestvirus H5N5 ist den Wissenschaftlern am Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems noch unbekannt. Er sei dem bisher grassierenden Virus H5N8 sehr ähnlich, sagte Institutssprecherin Elke Reinking. „Beides sind hochpathogene Viren.“ Bei der neuen Variante handle es sich wahrscheinlich um ein Mischvirus auf der Basis von H5N8. Mischviren entstehen demnach, wenn ein Tier zeitgleich von Viren zweier verschiedener Subtypen infiziert ist, die ihr Erbmaterial austauschen und so neue Nachkommen hervorbringen. Wo das geschah, ist noch nicht bekannt.

Aus der ersten Haltung des Betriebes in Süderau sind mittlerweile alle Puten getötet worden, die noch nicht an der Seuche gestorben waren. Von 3 400 Tieren waren die ersten am Samstag verendet, binnen 48 Stunden war mehr als die Hälfte des Bestandes tot. 

dpa

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