Minister für Tierwohlabgabe

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) begrüßt Forderungen nach einer Tierwohlabgabe, um die artgerechte Haltung zu unterstützen. Foto: dpa

Höhere Fleischpreise für artgerechte Tierhaltung – dieses Konzept verfolgt nun auch der Kieler Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht. Der Grünen-Politiker sieht in der Tierwohlabgabe ein Instrument, Verbraucher- und Bauerninteressen zusammenzuführen.

Kiel – Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht unterstützt Forderungen nach einer Tierwohlabgabe. Diese würde zur Finanzierung eines Umstiegs auf eine artgerechte Tierhaltung beitragen und das Interesse der Verbraucher mit dem der Landwirtschaft versöhnen, sagte der Grünen-Politiker. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte vor der am Freitag startenden Agrarmesse Grüne Woche eine Tierwohl-Abgabe von bis zu 50 Cent pro Kilogramm Fleisch vorgeschlagen und von 1,5 Cent je Liter Milch.

„Derzeit wird über verschiedene Modelle diskutiert, doch die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner laviert herum und schiebt die Entscheidung am Ende den Verbrauchern zu“, sagte Albrecht. Eine Anhebung der Mehrwertsteuer könnte dazu führen, dass qualitativ höherwertige und damit teurere Lebensmittel stärker belastet werden als billige Produkte mit niedrigeren Standards. „Stattdessen könnte auf alle Tierprodukte ein Tierwohlcent auf eine bestimmte Menge je nach Produktart erhoben werden, der dann über einen Fonds die Umstellung von Betrieben auf ein besonders hohes Tierwohlniveau finanziert.“ Eine solche zweckgebundene Abgabe auf verkaufte Produkte würde die hiesige Landwirtschaft bei der Anpassung an die Anforderungen von Umwelt und Gesellschaft unterstützen und ihre Stellung als Lieferant höchster Qualität stärken.

„Diese Internationale Grüne Woche muss im Zeichen der Agrarwende stehen“, sagte Albrecht. „Es braucht nun einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten über die Zukunft der Landwirtschaft, wie wir ihn in Schleswig-Holstein bereits initiiert haben.“ Die Bundesregierung habe viel Porzellan zerschlagen, sagte Albrecht. So habe sie Vorschläge ignoriert, mit betriebsgenauen Maßnahmen die Nitratvorgaben der EU umzusetzen. Mit solchen Maßnahmen würden gewässerschonend wirtschaftende Betriebe entlastet und ein Anreiz zu mehr Umweltschutz gesetzt. „Dieser Fehler darf nun bei der Reform der EU-Agrarpolitik nicht wiederholt werden“, sagte der Kieler Minister. Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) müsse im EU-Agrarministerrat durchsetzen, dass deutlich mehr Geld für die Landwirtschaft an Leistungen für Artenvielfalt, Klimaschutz und Tierwohl geknüpft wird. Die allermeisten Landwirte wollten ihre Betriebe auf diese Ziele umbauen und bräuchten dafür die nötigen Investitionsmittel. Dies sollte auch über den Preis an der Ladentheke unterstützt werden, sagte Albrecht unter Hinweis auf eine Tierwohlabgabe. Heute wollen sich auch viele Bauern aus dem Land an der bundesweiten Aktion „Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch“ beteiligen, um für ihre Interessen zu demonstrieren.

Dazu ist eine Sternfahrt von sechs Orten im Land nach Kiel geplant. In der Hauptstadt werden dann mehrere Hundert Landwirte mit ihren Traktoren erwartet.  dpa

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