Prozess um 39-jährigen Autobahn-Schützen beginnt in Kiel

Mögliches Motiv: Rache für seinen Vater

Der angeklagte 39-Jährige muss sich für Schüsse auf einen Mann in einem anderen Fahrzeug verantworten. - Foto: dpa

Kiel - Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen und großem Medieninteresse hat am Dienstag am Kieler Landgericht der Prozess um Schüsse auf der A 215 bei Kiel begonnen. Staatsanwältin Barbara Westermeyer warf dem 39-jährigen Angeklagten vor, am 21. Mai auf Höhe der Abfahrt Bordesholm aus Rache für Verletzungen seines Vaters fünf- bis sechsmal auf den Fahrer eines neben ihm fahrenden Wagens geschossen zu haben.

Dessen Fahrzeug wurde von vier Schüssen getroffen, sagte die Staatsanwältin, unter anderem in der Beifahrertür. Zwei Projektile blieben stecken. Der Attackierte blieb unverletzt. Die Anklage lautet auf versuchten Mord und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Dem Angeklagten droht damit eine lange Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.

Nach Darstellung der Staatsanwältin schoss der Angeklagte, um Rache für erhebliche Verletzungen seines Vaters zu nehmen. Diese sollen ihm bei einer Auseinandersetzung in Flensburg zugefügt worden sein. Die Flensburger Staatsanwaltschaft soll in dem Fall ermitteln. Das Kieler Landgericht will die Akten einbeziehen, sagte der Kammervorsitzende Carsten Tepp. Bei den Schüssen am Abend des 21. Mai kam es laut Anklage zu filmreifen Szenen. Nachdem der 39-Jährige den ihm bekannten Mann auf der Fahrt von Hamburg nach Kiel etwa in Höhe der Abfahrt Neumünster-Mitte entdeckte, soll er ihn durch langsameres Fahren auf der rechten Spur zum Überholen gezwungen haben. Als beide Autos auf gleicher Höhe waren, habe er dann bei voller Fahrt durch das geöffnete Fahrerfenster seines Sportwagens geschossen. Danach habe er den Wagen verfolgt und dann auf einen Grünstreifen abgedrängt. Der Attackierte konnte aber sein Fahrzeug an Bäumen und Straßenpfählen vorbei wieder auf die Fahrbahn lenken und entkommen. Der mutmaßliche Schütze flüchtete und wurde später bei Wolfenbüttel in Niedersachsen von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei festgenommen. Sein Sportwagen wurde beschlagnahmt.

Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft in Handschellen in den Saal geführt. Unter den Zuschauern, die hinter deckenhohem Panzerglas saßen, gab es dabei Tränen. Offensichtlich waren zahlreiche Angehörige und Freunde des Angeklagten gekommen. Er selbst blickt nur kurz zu ihnen und schwieg zunächst. Sein Verteidiger kündigte nach Verlesung der Anklage an, sein Mandant werde sich am nächsten Verhandlungstag zu seiner Person äußern. Anfang Januar werde er dann zu den Vorwürfen Stellung nehmen und „der Anklage entgegentreten“, sagte er. Sie beruhe im Wesentlichen auf Angaben des Geschädigten. - dpa

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