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Mölln-Überlebender fordert Rückgabe von Museum-Stücken

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Am 23. November 1992 starben drei Migrantinnen bei einem rechtsextremistischen Brandanschlag in Mölln. Die Tat wirkt noch heute nach. Archiv
Am 23. November 1992 starben drei Migrantinnen bei einem rechtsextremistischen Brandanschlag in Mölln. Die Tat wirkt noch heute nach. Archiv © dpa

Bonn/Mölln – Ein Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln aus dem Jahr 1992 hat das Haus der Geschichte in Bonn für dessen Umgang mit der Opfer-Familie kritisiert. „Das Haus der Geschichte hat Objekte aus unserem Haus ausgestellt, ohne uns vorher zu fragen“, sagte Ibrahim Arslan dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Das Museum, in dem Erinnerungsstücke aus der deutschen Geschichte gezeigt werden, entgegnete in einer Stellungnahme am Dienstag, dass sich ein Verantwortlicher in den zurückliegenden Jahren mehrfach um Gespräche bemüht habe, es dazu aber nicht gekommen sei. Zuletzt sei vom Museum 2021 die Rückgabe eines Objekts angeboten worden. Darauf habe es aber keine Reaktion gegeben.

Arslan erklärte in dem Interview, dass er nach einem Hinweis beim Haus der Geschichte angerufen und gefragt habe, „ob da Objekte von uns ausgestellt werden, ohne uns vorher zu informieren“. „Schließlich hat sich der Museumsleiter mit uns auseinandergesetzt und gesagt, die Familie könne vorbeikommen“, berichtete er. Allerdings habe es „kein Wort der Entschuldigung“ gegeben. „Es war ein herabwürdigender Umgang mit einer Migrantenfamilie, die Opfer des rassistischen Anschlages geworden ist“, sagte Arslan. Die Familie wolle Objekte, die „zweifelsfrei aus unserem früheren Haus in der Mühlenstraße in Mölln kommen“, nun einklagen.

Vor der Entsorgung gerettet

Das Haus der Geschichte erklärte, dass die Anwälte mit der Familie Arslan in einem Austausch seien – ein gerichtliches Verfahren sei aber nicht anhängig.

Die Stiftung Haus der Geschichte dokumentiere in ihren Museen die Geschichte des Rechtsradikalismus und rechtsextremer Anschläge in Deutschland seit 1945, erläuterte ein Sprecher. Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Mölln habe „eine Person aus dem kommunalen Bereich im Rahmen einer Begehung mit politischen Vertretern 1992 die Anschlagsorte besucht“. „Sie hat nach den Löscharbeiten verschiedene Objekte, die im Zug der Aufräumarbeiten von der Feuerwehr zurückgeblieben sind, gesehen und einen Teil davon an sich genommen, um sie vor der Entsorgung zu bewahren“, teilte der Sprecher mit.

Museum bleibt gesprächsbereit

Dazu gehörten den Angaben zufolge unter anderem ein verkohlter Türbalken, ein Telefon, ein Briefkasten und ein Tablett. „Diese Objekte sind dem Haus der Geschichte bereits 1993 übergeben worden“, so der Sprecher. Der damalige Sammlungsdirektor habe sich in den zurückliegenden Jahren zudem „mehrfach um Gespräche bemüht“. Das Museum habe „zuletzt 2021 angeboten, das zweifelsfrei der Familie Arslan zuzuordnende Tablett zurückzugeben. Wir haben bislang darauf keine Reaktion bekommen.“

Unabhängig davon bestehe aber weiterhin das Angebot, mit Ibrahim Arslan „über alle Themen in diesem Zusammenhang“ zu sprechen.

In Mölln (Schleswig-Holstein) hatten in der Nacht zum 23. November 1992 – also vor genau 30 Jahren – zwei Neonazis Brandsätze auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser geworfen. Dabei wurden die 51 Jahre alte Bahide Arslan sowie ihre Enkelinnen Yeliz Arslan (10) und Ayse Yilmaz (14) getötet. Neun weitere Menschen wurden verletzt. Die damals 19 und 25 Jahre alten Täter wurden wegen dreifachen Mordes zu zehn Jahren Jugendstrafe beziehungsweise zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. dpa

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