Markus Stephan, Co-Autor des Krimis „Wattenmeermord“ und Inselpolizist auf Pellworm, sitzt auf einer Parkbank auf dem Deich an der Nordermühle, die Bank ist im Buch Schauplatz eines Verbrechens.
+
Markus Stephan, Co-Autor der „Wattenmeermord“ und Inselpolizist auf Pellworm, sitzt auf einer Parkbank auf dem Deich an der Nordermühle, die Bank ist im Buch Schauplatz eines Verbrechens.

Inselpolizist betätigt sich als Krimiautor

Morden im beschaulichen Amt Pellworm

Pellworm – „Door sit een Dode op de Diek.“ Ein Toter sitzt auf einer Bank auf dem Deich von Pellworm. Ausgerechnet hier, auf der kleinen, idyllischen Insel im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Hier, wo eigentlich nie etwas passiert und die einzigen Knochen, die schon mal für Aufregung sorgen, von Seehunden stammen. An einen unnatürlichen Tod glaubt der Inselpolizist Jan Benden, der erst vor Kurzem aus Nordrhein-Westfalen hergezogen ist und Abstand zu Mord und Totschlag gewinnen will, zunächst nicht.

Doch dann nimmt er die Ermittlungen auf. Mithilfe seiner Frau Laura, einer ehemaligen Kriminalbeamtin, und der ungefragten Unterstützung des Inselbewohners und Möchtegern-Assistenten Tamme, der den Toten auch gefunden hat. Das ist die Ausgangslage des ersten Krimis „Wattenmeermord“ des Autorenduos Markus Stephan und Katja Lund, der Mitte Mai erschienen ist. Mit viel Liebe zum Detail und humorvoll zeichnen die beiden ein Bild von der Insel und ihren Protagonisten. Ein Nachfolgeband ist bereits in Planung.

Inspiriert ist das gemeinsame Erstlingswerk vom Leben Stephans. Er stammt ebenso wie Benden aus NRW, ist Polizist und vor einigen Jahren nach Pellworm gezogen. Stephans Frau und Bendens Frau waren in der alten Heimat ebenfalls Polizistinnen und vermieten in echt und im Krimi auf Pellworm Ferienwohnungen. Der Rest? Fiktion, sagt Stephan.

Stephan sitzt gemeinsam mit seiner Co-Autorin Katja Lund auf einer Bank hinter’m Deich auf Pellworm. Mit Abstand, wegen Corona. Ein Bild von sich habe er nicht im Kopf, wenn er an Benden denkt. Dieser sei kleiner, jünger und habe einen Waschbrettbauch, sagt Stephan, selbst groß und sportlich, und lacht. Er holt sein Handy aus der Tasche und sucht im Internet das Foto eines bestimmten Schauspielers. So stelle er sich Benden vor.

Zum gemeinsamen Krimischreiben kamen Lund und Stephan durch Zufall. Lund, die unter ihrem Klarnamen Kathrin Lange Thriller schreibt, hatte gerade ein Buchprojekt beendet und wollte mit Mann und Hund auf Pellworm Urlaub machen. Die Stephans waren ihre Vermieter. „Und wie das halt so ist, wenn man Feriengäste hat“, sagt Stephan. Man unterhalte sich, frage was diese sonst so machten. Lund erzählte es ihm. Das war 2018. Ihr Pellwormaufenthalt sei dann etwas anders verlaufen als gedacht, erzählt Lund, die in einem kleinen Dorf im Landkreis Hildesheim lebt. „Den Rest des Urlaubs hat es in meinem Kopf rotiert“.

Dann war erst mal ein bisschen Ruhe, bevor das gemeinsame Projekt Fahrt aufnahm. Kontakt halten die beiden zunächst vor allem über WhatsApp, schicken sich Nachrichten zu Textstellen, Details hin und her. So oft, wie sie möchte, kann Lund nicht nach Pellworm kommen, sagt sie. Die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns beginnt. Doch auch das Schreiben über die Distanz funktioniert. Lund bringt ihre Expertise als Autorin in den Krimi ein, Stephan Insel- und Polizistenwissen. Sie hatte beispielsweise die allgemeine Idee mit dem Toten auf der Bank, er fand den passenden Ort. Auch auf inseltypische Kleinigkeiten beharrt Stephan. „Wir sagen hier Gäste, nicht Touristen“, nennt er ein Beispiel. Und er bringt das Wissen ein, mit welchen Dingen man als Polizist auf einer Insel zu kämpfen hat.

Stephan gibt ein Beispiel, das in abgewandelter Form auch im Buch eine Rolle spielt. In seinem ersten Jahr als Polizist auf Pellworm meldete jemand den Fund von Knochen, die so groß waren, dass sie von einem Menschen stammen könnten. Er vermaß und fotografierte sie und schickte die Daten an die Rechtsmedizin nach Kiel. Aus der Landeshauptstadt kam die Entwarnung: Menschlicher Herkunft waren die Knochen nicht. Stephan ermittelte und recherchierte selbst noch ein bisschen weiter. Sein Ergebnis: Das ist wahrscheinlich ein Seehund oder eine Kegelrobbe gewesen.

Einen weiteren Unterschied zwischen Festland und Insel – oder Krimiautoren-Fantasie und Wirklichkeit – lässt sich Lund vom Wirt des Billardcafés „Die Schwarze Acht“ erklären. Eine Szene des Krimis spielt in Andersens Café. Lund erinnert sich, wie sie Andersen die Szene vorgelesen hat, in der er eine Packung Tiefkühlerbsen – „der Klassiker“ zum Kühlen eines Veilchens holt. Da habe Andersen sie nur angeschaut und gesagt, er zeige ihr mal, wie man in seinem Lokal auf Pellworm blaue Augen kühlt: Mit einer Flasche tiefgekühltem Jägermeister.

Den hätten sie immer da, sagt Andersen. Lund und Stephan bringen ihm an diesem Tag ein druckfrisches Buch. Einen Jägermeister am Mittag lehnen sie ab. Er sei gespannt auf das Buch, sagt Andersen, der bisher nur „seine“ Szene kannte. Normalerweise komme es zwar nicht zu Schlägereien in der „Schwarzen Acht“. Auf das Buch und die Szene mit ihm habe er sich dennoch gefreut.

Von Britta Von Gyldenfeldt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.