Heimvolkshochschule im Klappholttal mitten in den Sylter Dünen

Muße und Einfachheit

Verstreut in den Dünen liegen kleinere und größere Hütten der Heimvolkshochschule im Klappholttal auf Sylt. Foto: Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

List – Verstreut in den Dünen zwischen List und Kampen liegen kleinere und größere Hütten. Sie scheinen irgendwie aus der Zeit gefallen und nicht so recht ins mondäne Sylter Image zu passen. Die Ausstattung der Unterkünfte: einfach. Einige haben nicht einmal ein eigenes WC, auch Fernseher gibt es nicht. Die Einzel-, Doppel- und Mehrbetthäuser liegen verstreut in einem 7,5 Hektar großem Dünengebiet. Sie gehören zur Akademie am Meer Klappholttal, die jetzt ihr 100-jähriges Bestehen im großen Rahmen feiert.

Viele der „Klappholttaler“ seien Wiederholungstäter, die immer wieder kommen, sagt Akademieleiter Hartmut Schiller. Man bekomme eine Hütte zugeteilt, schläft eine Nacht. „Am nächsten Morgen wissen sie, ob sie immer wieder kommen oder nie mehr.“ Er macht eine kurze Pause, bevor er weiter spricht. „Die meisten kommen wieder.“

„Das ist unser Programm. Die Einfachheit, Kultur und die Naturnähe“, sagt Schiller. Dass es auch keinen Handyempfang gibt, stört die Gäste nicht. Sie kommen aus ganz Deutschland, aus den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz. Großartig Werbung macht die Heimvolkshochschule nicht. Vieles geht über Mund-Propaganda.

41 000 Übernachtungen pro Jahr

„Meine Strategie ist, dass wir ein Geheimnis sind. Ein Ort, den man entdecken muss“. Und das wollen einige: Rund 41 000 Übernachtungen zählt die Akademie pro Jahr, sagt Schiller. Damit zählt sie den Angaben zufolge zu den größten Heimvolkshochschulen im Land. Diese sind im Übrigen wie „normale“ Volkshochschulen nur mit mehrtägigen Kursen und Unterbringungsmöglichkeiten. Die Kombination aus unberührter Natur und einem großen kulturellen Angebot ist reizvoll für die Gäste. Und sie versetzt die Bildungsstätte in die Lage, ohne staatliche Unterstützung auskommen zu können.

„Die Volkshochschulen und Bildungsstätten sind sichtbarer Ausdruck eines Gesellschaftsbildes, das den Einzelnen und seine Verantwortung für soziale Strukturen ernst nimmt“, sagt Bildungsministerin Karin Prien. Sie seien auch deshalb ein unersetzlicher Teil der demokratischen Gesellschaft. Die Akademie am Meer im Klappholttal sei seit 100 Jahren ein beispielhafter Ort der Begegnung und des Gesprächs, ein Raum der Ruhe und der Gemeinschaft. „Bildung zwischen Vortragssaal und Strand, das findet man nicht oft in Deutschland und da bekommt man richtig Lust, etwas Neues zu lernen und seinen Horizont zu erweitern“, sagte Prien. 1919 hatte der junge Arzt und Naturschützer Knud Ahlborn, inspiriert vom pazifistischen Gedankengut der akademischen „Freideutschen“, das Jugendlager in den Dünen zwischen List und Kampen gegründet. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs steht die Einrichtung Menschen jeden Alters offen. Heute wird das Jubiläum mit einem Festakt gefeiert, zu dem auch Prien erwartet wird. Anfangs wurden die Einrichtung und seine Besucher argwöhnisch beäugt – was auch an den Sitten lag, die damit auf der Insel Einzug hielten. So hat das Nacktbaden auf Sylt hier seinen Anfang genommen, erzählt Schiller.

Im Klappholttal wird vieles anders gemacht, nicht jede Mode mitgemacht. „Wir fallen aus dem Rahmen“, sagt Schiller. Für den 62-Jährigen ist eines der Erfolgsgeheimnisse, dass die Gäste hier Sachen ausprobieren können, die sie normalerweise nicht machen würden. „Es kann sein, dass Menschen hier Seiten an sich bemerken, dass sie verschiedene Fähigkeiten haben, von denen sie nicht wussten.“

Bis nach Kampen, mit seinen teuren Reetdachhäusern, den Boutiquen und den noblen Restaurants sind es nur wenige Kilometer. Und doch scheint es eine andere, weit entfernte Welt zu sein. Schiller: „Klappholttal ist der letzte schöne Ort auf Sylt.“  dpa

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