Der Angeklagte (M.) zu Beginn des Prozesses im Landgericht in Kiel.
+
Der Angeklagte (M.) zu Beginn des Prozesses im Landgericht in Kiel.

Mutmaßlicher Dreifachmörder in Kiel vor Gericht

Zahnarzt schweigt zum Auftakt des Prozesses um tödliche Schüsse in Dänischenhagen

Kiel – Neun Monate nach drei Morden in Dänischenhagen und Kiel nimmt der angeklagte 48 Jahre alte Zahnarzt auf der Anklagebank Platz, in olivgrüner Jacke, den Kragen hochgeschlagen, der Blick fixiert die Anwesenden. Der Anklageverlesung folgt er aufmerksam. Er ist Jäger, musste seine Waffen aber nach gewalttätigen Übergriffen auf seine Frau abgeben. Die Waffen, mit denen er schoss, besaß er laut Anklage illegal. Woher sie stammen, prüft die Staatsanwaltschaft noch.

Den Vorwürfen nach wollte der Zahnarzt seine Frau wegen der Trennung bestrafen. Den neuen Mann an ihrer Seite habe er wegen der Beziehung zu ihr ebenfalls zur Rechenschaft ziehen wollen. Das dritte Opfer, einen gemeinsamen Bekannten des Ehepaares, soll er erschossen haben, weil dieser seiner Frau seine Seitensprünge verraten habe und damit für das Scheitern der Ehe verantwortlich sei, sagte Oberstaatsanwalt Achim Hackethal.

Laut Anklage folgte der Angeklagte seiner getrennt von ihm lebenden Frau am Tag der Tat unbemerkt in einem Leihwagen. An ihrem Wagen habe er im Vorfeld einen GPS-Sender angebracht und die Tat geplant, sagte Hackethal. Nachbarn nahmen die Schüsse in Dänischenhagen als „Rattergeräusche“ wahr. Eine 49 Jahre alte Nachbarin sagte aus, der Mann sei mit einer großen Waffe in der Hand zu dem Auto gerannt und „wie eine besengte Sau“ weggefahren.

Noch am Abend des 19. Mai stellte sich der Zahnarzt in Hamburg der Polizei und räumte die Verbrechen ein. Seither schwieg er zu den Vorwürfen. Zu Prozessbeginn äußerte sich der Angeklagte nur kurz. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Jörg Brommann, ob er verwitwet sei, antwortete der 48-Jährige: „Leider.“ Sein Verteidiger kündigte aber eine mögliche Aussage seines Mandanten für den 10. März an. Eine weitere Verteidigerin warf Medien eine gnadenlose Vorverurteilung und „üble Zuschreibungen“ vor. Ihr Mandant sei als vollumfänglich schuldig dargestellt worden.

Das Gericht hat einen psychiatrischen Gutachter zur Frage der Schuldfähigkeit bestellt. Zu den Nebenklägern in dem Verfahren gehört die Mutter der getöteten Ehefrau. Diese hinterlässt vier gemeinsame minderjährige Kinder. Das Urteil wird am 30. März erwartet.  dpa

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.