Nordseeinsel Sylt bewirbt Trinkwasser aus der Leitung / Klimaschutz-Projekt

Nicht nur für die Dusche

Auch optisch überzeugend: Die „Sylt-Buddel“ soll zum Trinken von Leitungswasser animieren. Foto: dpa

Westerland – Sylt will die Wasserwende. Genauer: Insulaner und Gäste zum Trinken von Leitungswasser bewegen. „Wir haben super Leitungswasser“, sagt Maike Belbe, die bei Sylt-Marketing für die Wasserwende zuständig ist. „Und wir wollen, dass es mehr getrunken wird.“ Denn so könnte man viel Plastik sparen. Auf der Nordseeinsel ein Riesenthema. Aber auf Sylt ist es wie in vielen Orten Deutschlands: Die Menschen greifen lieber zum Flaschenwasser. „Das Bewusstsein ist generell nicht da“, sagt der Geschäftsführer der Ver- und Entsorgung Norddörfer (VEN), Björn Hansen. „Die meisten verbinden Leitungswasser mit Duschen und Händewaschen.“

Um Insulaner und Gäste zum vermehrten Trinken von Leitungswasser zu animieren, hat sich die Insel im vergangenen Jahr um den Titel Wasserquartier beworben. Am kommenden Sonntag – dem Welttag des Wassers – wird Sylt nun offiziell eines von bundesweit zwölf offiziellen Wasserquartieren des Vereins „a tip: tap“ („Ein Tipp: Wasserhahn“). Dessen Projekt „Wasserwende – Trinkwasser ist Klimaschutz“ wirbt für Leitungswasser statt verpackter Getränke. Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium mit 1,3 Millionen Euro. Ziel sei „der Umstieg von Flaschen- auf Trinkwasser aus der Leitung, um die CO2-Emissionen und den Plastikmüll zu reduzieren“, teilte das Umweltministerium im vergangenen Jahr zum bundesweiten Projektstart mit.

„Unser Trinkwasser ist so gut, dass man als Alternative sicherlich keine Wasserflaschen aus dem Supermarkt schleppen muss, schon gar nicht wenn man stilles Wasser kaufen geht“, sagte der Geschäftsführer des anderen Wasserversorgers auf der Insel, der Energie-Versorgung Sylt (EVS), Georg Wember. „Sogar Säuglinge dürfen es trinken, der Nitratgehalt liegt deutlich unter dem in der Trinkwasserverordnung fixierten Grenzwert.“

Das Sylter Trinkwasser wird aus einer Süßwasserblase aus einer Tiefe von etwa 40 bis 60 Meter Tiefe gefördert, erklärt VEN-Chef Hansen. Die Linse speist sich aus Regenwasser, das im Boden versickert.

„Die Qualität des Wassers ist genial“, findet auch Klima- und Nachhaltigkeitsmanagerin Catharina Bayerlein vom Landschaftszweckverband Sylt. Und noch besser als an vielen anderen Orten – auch weil es auf Sylt kaum Landwirtschaft oder Industrie gibt, über die Schadstoffe in das Grundwasser gelangen können.

Aber wie wollen die Sylter Verantwortlichen ihre Wasserwende schaffen? Mit Aufklärung an Ständen, in Kitas und Schulen, Restaurants, Ferienwohnungsvermietern und Hotels. Auch das Schaffen von „Trinkorten“, also Trinkbrunnen und anderen Orten, an denen man seine Wasserflasche auffüllen darf, sollen entstehen beziehungsweise mehr werden. So gibt es bereits einige „Refill“-Stationen auf der Insel, beispielsweise in Geschäften oder Cafés, wo man seine Trinkflasche kostenlos mit Leitungswasser auffüllen kann, so Danica Jansen, Projektleiterin des Wasserquartiers Sylt.

EVS und VEN, unterstützen die Sylter Wasserwende, in dem sie beispielsweise Trinkwasserspender in Schulen aufstellen, wo die Kinder ihre Flaschen auffüllen können. Diese bekommen alle Sylter Erstklässer kostenlos zur Einschulung. Die Spender würden super angenommen, sagt Hansen. Und regten zum Nachahmen an: Im heißen Sommer 2018 etwa hätten sich auch die Eltern rege bedient.

Die mehrfache Weltmeisterin im Stand-Up-Paddling und Sylterin Sonni Hönscheid, die sich für Nachhaltigkeit und Plastikfreiheit engagiert, hat zudem eine „Sylt-Buddel“ designt, mit der die Macher der Sylter Wasserwende auch „emotional“ die Menschen erreichen wollen, so Bayerlein. Mit der Flasche, die es aus Glas und demnächst aus Edelstahl geben soll, „wollen wir ein Stück Sylt-Identifikation schaffen“. Der Startschuss für die „Sylt-Buddel“ sollte eigentlich beim Syltlauf am vergangenen Sonntag fallen. Dieser wurde wegen des Coronavirus allerdings abgesagt. Nun wird der Vermarktungsstart neu diskutiert.

Die Sylter Wasserwendler hoffen, dass sie möglichst viele Menschen zum Umdenken bewegen können. Und andere Orte sich auch ein Beispiel an der Insel nehmen. „Sylt hat eine immense Strahlkraft“, sagt Bayerlein. Vielleicht auch bei der Wasserwende.  dpa

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