14.000 Baby-Aale leben jetzt im Nord-Ostsee-Kanal

Wer nicht schwimmt, wird ausgesetzt

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Sportfischer setzen in Rade junge Aale im Nord-Ostsee-Kanal aus. Jedes Jahr werden über eine Million so genannter Glas- und Farm-aale in Schleswig-Holsteins Gewässern ausgesetzt.

Rade - Schleswig-Holsteins Freizeit-Angler setzen jedes Jahr rund eine Million Baby-Aale aus. Die Fische dienen nicht nur als Fang, sondern sorgen auch dafür, dass erwachsene Aale abwandern und für Nachwuchs sorgen können. So soll der Fischbestand im Norden stabilisiert werden. Gestern entließen Sportfischer in Rade (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mehr als 14 000 junge Aale in den Nord-Ostsee-Kanal. Die Tiere werden nach sechs bis zehn Jahren das Gewässer wieder verlassen, um zu ihren Laichplätzen in der zehntausend Kilometer entfernten Sargassosee im Westatlantik zu wandern.

Der Hintergrund dieser aufwendigen Aktion ist, dass kaum noch Aale auf natürliche Weise zuwandern. In vielen Bächen und Seen macht sich ihr Fehlen auch in ökologischer Hinsicht bemerkbar, sagte der Präsident des Landessportfischerverbandes, Peter Heldt. Die jungen Aale sollen in diesen Lebensräumen zu großen, laichreifen Tieren heranwachsen, um dann ihre Wanderung in die Sargassosee anzutreten. „Deshalb besetzen wir die Lebensräume, und sorgen so dafür, dass auch Laicher abwandern, um für die Nachkommenschaft zu sorgen.“ Die jungen Aale werden in mehr als 90 Seen, Flüssen und Kanälen des Landes ausgesetzt. Die Kosten der Aal-Aktion belaufen sich auf 160.000 Euro. Rund 60 Prozent werden von der EU und dem Land Schleswig-Holstein getragen, den Rest übernehmen die Angler selbst.

Im Nord-Ostsee-Kanal und im Elbe-Lübeck-Kanal werden seit 2006 umfangreiche Untersuchungen zur Wirksamkeit der Ansiedlungen durchgeführt. Dafür werden die jungen Fische vor dem Aussetzen in einem Farbbad rot markiert. Der Farbstoff Alizarinrot lagert sich im Körper fest an das in den Knochen enthaltene Calcium an, sagte Verbandssprecher Sönke Rother. Wissenschaftler können so später erkennen, ob ein gefangener Aal aus dem Besatz stammt oder auf natürlichem Wege in das Gewässer gelangt sei. Der Farbstoff ist ist für Mensch und Tier ungiftig, sagt Rother: „Die markierten Aale können ohne Bedenken gegessen werden.“  

dpa

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