Nur elfter Platz im bundesweiten Bildungsranking trotz Verbesserungen

Norden rutscht ab

Die Mindeststandards im Lesen erreichen fast alle Schüler. Die Basis wird in der Grundschule gelegt. Foto: dpa

Kiel – Der Norden ist im Bildungswesen trotz leichter qualitativer Verbesserungen im Ländervergleich auf den elften Platz zurückgefallen. Dies ergibt sich aus dem gestern veröffentlichten Bildungsmonitor 2019 des unternehmernahen Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Im Jahr zuvor war das nördlichste Bundesland vom 13. Platz auf den zehnten Rang geklettert.

Stärken bescheinigt die Studie dem Land weiterhin in den Kriterien Zeiteffizienz und Bildungsarmut. So werden im Norden nur wenige Kinder verspätet eingeschult oder wiederholen eine Klasse. Auch erreicht nur ein geringer Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards im Lesen. Schwächen sieht der Bildungsmonitor unter anderem in der Förderinfrastruktur, bei naturwissenschaftlichen Fächern an den Hochschulen, bei der Internationalisierung und in der Schüler-Lehrer-Relation an den Schulen.

Die Vergleichsstudie des IW im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bewertet anhand von 93 Indikatoren in insgesamt zwölf Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut verringert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Auf dem ersten Platz steht nach wie vor Sachsen mit 68 Punkten, gefolgt von Bayern und Thüringen. Schleswig-Holstein rangiert bei 47,3 Punkten und hat damit um 1,7 Zähler zugelegt.

Dem Bildungsmonitor zufolge besuchen im Norden in Kitas und Schulen wenige Kinder Ganztagseinrichtungen. An den Hochschulen ist der Anteil der Naturwissenschaften am wissenschaftlichen Personal der Hochschulen niedrig. Je Professor werden vergleichsweise wenige Drittmittel eingeworben. Zudem studieren im Land nur sehr wenige Ausländer. Und vor allem in der Sekundarstufe II muss ein Lehrer vergleichsweise viele Schüler betreuen. Nachholbedarf sehen die Bildungsexperten auch bei der Digitalisierung an den Schulen.

„Schleswig-Holstein behauptet sich im Mittelfeld, und wir arbeiten daran, uns weiter zu verbessern“, kommentierte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). „Ich freue mich, dass wir in zentralen Punkten wie Zeiteffizienz und Bildungsarmut ganz vorne stehen.“ Die Landesregierung habe in der Bildung klare Schwerpunkte gesetzt und einiges auf den Weg gebracht. Als Beispiele nannte Prien den Ausbau der Ganztags- und Betreuungsangebote, die in diesem Schuljahr mit rund 13 Millionen Euro gefördert würden.

Wenig finanzielle Leistungsfähigkeit

Das Land habe nicht die finanzielle Leistungsfähigkeit wie zum Beispiel Bayern, sagte Prien. Der Bildungsmonitor bilde auch nicht in Gänze ab, wie leistungsfähig das Bildungssystem im Land sei. „Die Studie vernachlässigt auch andere Faktoren, die wichtig für ein Bildungssystem sind – wie die gesellschaftliche Teilhabe an Bildung oder die Aufgabe von Schulen, ihren Schülern Kompetenzen für nachhaltige und politische Bildung zu vermitteln.“  dpa

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