Mit zusätzlichem Fleisch könnten Raubtiere in Neumünster gefüttert werden

Notfalls schlachten

Vitus schwimmt in seinem Becken. Seit seiner coronabedingten Schließung ist der Tierpark Neumünster auf Spenden angewiesen, um das Überleben von Tieren wie dem 3,60 Meter großen Eisbären zu sichern. Fotos: dpa

Neumünster – Der Tierpark Neumünster ist durch die Coronakrise laut Zoodirektorin Verena Kaspari in einer existenzbedrohenden Krise und hat Notfallpläne erarbeitet. „Wir haben aktuell Gelder, die uns ungefähr bis Mitte Mai bringen würden“, sagt die Parkchefin. Der Tierpark habe viele Futterspenden von Landwirten und Privatleuten erhalten.

Im Park leben jedoch nicht nur Pflanzenfresser, sondern auch Tiere, auf deren Speiseplan Fleisch und Fisch stehen. Sollte das Futter für die Raubtiere knapp werden, müssten mehr Zootiere als normal geschlachtet werden, erklärt Kaspari.

„Vorher könnte man natürlich auch versuchen, Tiere an andere Betriebe abzugeben. Das ist aber nicht mit allen Tieren so einfach.“ Zum Beispiel Vitus, der Eisbär. Er zählt mit seinem Gewicht von ungefähr 700 Kilogramm zu den Größten seiner Art in Deutschland. „Wenn es hier ganz hart auf hart kommt, und der Tierpark aufgelöst werden müsste, kann ich den nicht einfach in eine Kiste stecken und woandershin transportieren.“ So ein großes Tier kriege man nicht mal eben schnell bei einem Kollegen untergebracht. „Es ist kein Pony, das man auch mal in einen Eselstall stellen kann. Er ist ein großes Raubtier, für das man eine adäquate Anlage benötigt.“

Pläne für Notschlachtungen sind dem Verband der Zoologischen Gärten nach eigener Aussage nicht bekannt. „Das ist nicht das Thema, das wir derzeit haben“, sagt Pressesprecher Sebastian Scholze. Allerdings sei die Lage in den Zoos durchaus besorgniserregend. Man habe seit vier Wochen geschlossen und gleichbleibend hohe Kosten bei keinerlei Einnahmen. „Und Homeoffice mit Elefant geht halt auch nicht“, sagt Scholze.

Derzeit gingen viele Spenden ein, über die man „sehr, sehr dankbar“ sei. Aber: „Es ist schwierig, damit über die Runden zu kommen“, sagt Scholze. Deshalb hat der Verband bereits Ende März für seine 56 Mitgliedszoos ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro erbeten. Auch Neumünster ist Mitglied beim Verband.

Dort ist auch Zoochefin Kaspari zuversichtlich, dass es nicht zu Notschlachtungen kommen wird. Andere Tierparks hätten versprochen, den Neumünsteranern Fisch und Fleisch zukommen zu lassen, „wenn hier der allerschlimmste Fall eintreten würde“, sagt sie.

Die Haus- und Nutztierpark „Arche Warder“ hat wegen der Coronakrise ebenfalls „große finanzielle Sorgen und Engpässe, aber so etwas ziehe ich zurzeit nicht in Erwägung“, sagte Zoodirektor Kai Frölich. Er habe für seine 1 200 Tiere aus 83 Rassen einen Notfallplan erarbeitet, „sodass wir um solche Maßnahmen erst einmal herumkommen“. Auch im Westküstenpark in St. Peter-Ording und im Wildpark Eekholt gibt es den Angaben zufolge aktuell keine Pläne für Notschlachtungen.  dpa

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