Nummer eins von drei

In Brunsbüttel soll der erste der drei Atommeiler im Norden abgerissen werden

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Das wird ein Rechtsakt von großer Tragweite: Das Atomkraftwerk Brunsbüttel soll abgerissen werden. Die Genehmigung dafür will die Atomaufsicht in Kiel bald erteilen.

Kiel - Eine der weitreichendsten Entscheidungen in der Atomgeschichte Schleswig-Holsteins wird derzeit im Energieministerium vorangetrieben. Das Ressort will noch in diesem Jahr die atomrechtliche Genehmigung zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel erteilen, wenn alle Prüfungen rechtzeitig beendet werden können. Der Reaktor an der Elbemündung soll als erster der drei Atommeiler – Krümmel ist auch vom Netz, während Brokdorf noch Strom produziert – im Norden abgerissen werden.

„Das ist der nächste große Schritt auf dem Weg zum tatsächlichen Ende der Atomenergie in Schleswig-Holstein“, sagte Minister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

„Mit der Erteilung einer ersten Abbaugenehmigung für ein Kernkraftwerk werden wir zeitnah einen wirklich großen Meilenstein erreicht haben.“ Damit werde im Land der Ausstieg aus der Atomenergie endlich konkret umgesetzt. 

„Der Strahlenschutz steht allerdings auch bei der Stilllegung und dem Abbau eines Kernkraftwerks immer im Vordergrund“, betonte der Ressortchef. „Das erklärt auch, warum sich ein solch umfangreiches Verfahren über mehrere Jahre erstreckt und es noch eine Weile dauert, bis die grüne Wiese für jedermann sichtbar wird.“

Dies soll irgendwann in den Dreißigerjahren so weit sein. Bei anderen Anlagen hat der Abbau insgesamt 15 bis 20 Jahre gedauert. Das Ministerium in Kiel geht für Brunsbüttel von einem vergleichbaren Zeitraum aus.

Das Atomkraftwerk ist infolge von Pannen bereits seit gut elf Jahren vom Netz. Nach der Fukushima-Katastrophe von 2011 wurde seine dauerhafte Stilllegung beschlossen. Nach Erteilung der nun bald anstehenden atomrechtlichen Genehmigung kann zunächst die erste Abbauphase beginnen. Dabei werden laut Ministerium nicht mehr benötigte Anlagenteile abgebaut. Dazu gehören Behälter, Rohrleitungen, Armaturen, elektronische Komponenten, aber auch der Deckel und die Einbauten des Reaktordruckbehälters.

Die Akw-Betreiberin, Gesellschafter sind Vattenfall (66,7 Prozent) und PreussenElektra (33,3), hat nach Ministeriumsangaben in Aussicht gestellt, schon während der ersten Abbauphase die zweite und letzte Phase zu beantragen. Innerhalb der zweiten Phase sollen besonders der Reaktordruckbehälter und das sogenannte biologische Schild abgebaut werden. Am Ende dieser Phase werden die dann noch vorhandenen Gebäudeteile und das Betriebsgelände aus dem „atomrechtlichen Aufsichtsregime“ entlassen. 

Was dann noch bis zur „grünen Wiese“ zu erledigen ist, geschieht auf Grundlage der allgemeinen rechtlichen Bestimmungen. Dem Ministerium liegt auch ein Antrag der Betreiberin auf Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in einem noch zu errichtenden Lager am Standort vor. Dieses Lager ist erforderlich, da ein Endlager für die beim Abbau anfallenden Abfälle noch nicht zur Verfügung steht. Über diesen Antrag will das Ministerium nach bisherigem Stand im nächsten Jahr entscheiden.

Das Atomkraftwerk in Brunsbüttel hat eine Masse von ungefähr 300.000 Tonnen. Rund 90 Prozent davon sind „Bauschutt“ und gelten als unbelastet. Dazu gehören Gebäude, Fundamente und Rohrleitungen, die weitab vom Reaktor liegen. 

Weitere 20.000 bis 30.000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle sollen „dekontaminiert“ werden, zum Beispiel durch Abschrubben, Abfräsen, Abspülen mit Zitronensäure oder reinigen mit einem Hochdruckreiniger. Von atomar strahlenden Brennelementen ist das Reaktorgebäude seit über einem Jahr frei.  

dpa

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