Zum Prozessauftakt um tote Mireille steht das Alter des Angeklagten im Mittelpunkt

18, 21 oder doch 29 Jahre?

Der Angeklagte (l.) – hier mit seinem Anwalt Klaus Husmann – schwieg gestern in Flensburg weitestgehend. - Foto: dpa

Flensburg - Von Birgitta von Gyldenfeldt. Die Gutachterin ist sich sicher: Der Mann, der die 17-jährige Mireille in Flensburg mit mehr als einem Dutzend Messerstichen getötet haben soll, ist älter als er angibt. Mindestens 21, wahrscheinlich sogar 29. Dass der Angeklagte zur Tatzeit im März erst 18 Jahre alt gewesen sei, könne aus rechtsmedizinischer Sicht nicht stimmen, sagt die Sachverständige am ersten Tag des Mordprozesses gegen den afghanischen Flüchtling. Die Gutachterin stützt ihre Analyse auf verschiedene Untersuchungen: Röntgenbilder der Hand, radiologische Schichtbildaufnahmen des Gebisses und des Schlüsselbeins.

Der Angeklagte schwieg gestern zu Prozessbeginn. Nur seinen vom Vorsitzenden Richter vorgelesenen Namen und das angebliche Geburtsdatum im Sommer 1999 bestätigt er. Doch genau an diesem gibt es Zweifel. Das Alter ist wichtig für die Frage, ob Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen kann oder nicht. In diesem Fall wäre eine andere Kammer des Landgerichts zuständig. Bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht beträgt die Höchststrafe wegen Mordes in der Regel zehn Jahre.

Der Angeklagte, ein nicht rechtskräftig abgelehnter Asylbewerber, soll die junge Deutsche am 12. März laut Staatsanwaltschaft in deren Wohnung aus Eifersucht ermordet haben, weil sie eine andere Beziehung eingegangen sei. Die Hinwendung zu ihrem neuen Partner und somit die endgültige Abkehr von ihm habe der Angeklagte nicht akzeptieren wollen. Der mutmaßliche Täter und das Opfer standen seit Jahren unter der Obhut des Jugendamts: das Mädchen wegen ihrer schwierigen Familiensituation, der Junge, weil er 2015 als unbegleiteter Minderjähriger eingereist war.

Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen und Trauer gesorgt – einmal, weil das Opfer so jung war, und zudem wegen der Ähnlichkeiten mit der Bluttat von Kandel wenige Monate zuvor.

Aber anders als in Kandel, wo rechtspopulistische Gruppen die Tat zum Anlass nahmen und nehmen, um bis heute gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren, bleibt es in Flensburg ruhig. Auch der Prozessauftakt läuft störungsfrei. Keine Plakate, keine Demonstrationen. Die Sicherheitskontrollen am Eingang des Gerichts sind nicht verstärkt worden. Abgesehen von vielen Medienvertretern sind kaum Zuschauer im Saal.

Der Verteidiger des Afghanen äußert indes Kritik an dem vorgestellten Gutachten. Er sagt, es gebe verschiedene Auffassungen darüber, ob wissenschaftlich fundierte Aussagen über das Alter getroffen werden könnten. Im Zweifel müsse das Gericht den Fall an die Jugendkammer abgeben. Die Kammer verhandelt jedoch erst einmal weiter. Am 13. September wird der Prozess fortgesetzt. - dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.