Auf dieses Spektakel müssen die Schleswig-Holsteiner in diesem Jahr verzichten.
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Auf dieses Spektakel müssen die Schleswig-Holsteiner in diesem Jahr verzichten.

Dem Land steht ein stiller Jahreswechsel bevor

Ohne Feuerwerk und Touristen

Kiel – Die Silvesternacht in Schleswig-Holstein wird wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr alles andere als ein farbenfrohes und rauschendes Spektakel sein. Touristen können de facto nicht kommen, denn sie dürfen nicht in Hotels oder Ferienappartements übernachten. Restaurants und Kneipen sind für Gäste ohnehin dicht. Der Verkauf von Feuerwerk ist bundesweit verboten. Und wer noch Raketen oder Böller vom vergangenen Jahr übrig hat, darf sie in Innenstadtlagen, etwa in Kiel, Flensburg oder Lübeck, nicht zünden.

Der Kreis Schleswig-Flensburg verbietet generell, in geschlossenen Ortschaften Feuerwerkskörper abzubrennen. Auf den Inseln wie Sylt oder im Nordseebad St. Peter-Ording ist Feuerwerk aus Brandschutzgründen wegen Reetdachhäusern sowieso jedes Jahr verboten. Doch diesmal wurden auch die professionellen öffentlichen Feuerwerke am Hörnumer Hafen (Sylt) und am Strand von St. Peter-Ording abgesagt. In Travemünde fallen das stets von Tausenden genossene Feuerwerk sowie die Lasershow aus.

Auf belebten Straßen und Plätzen müssen die Menschen in Schleswig-Holstein in der Silvesternacht einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Und in der Öffentlichkeit ist Alkoholkonsum verboten. Wer seine Sektflasche zu Hause köpfen will, darf wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen nur mit der eigenen Familie feiern oder mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten.

Rechtliche Grundlagen sind eine Bundesregelung (Verkaufsverbot von Feuerwerk), die Landesverordnung und Allgemeinverfügungen der Kommunen. „Auf Straßen, Wegen und Plätzen sowie auf sonstigen Flächen, auf denen zu Silvester und Neujahr mit verstärktem Personenaufkommen zu rechnen ist, dürfen Feuerwerkskörper nicht verwendet werden“, heißt es in der Landesverordnung vom 16. Dezember. Viele Kommunen haben in Allgemeinverfügungen diese Straßen und Flächen genau benannt.

Bei Verstößen gegen Abbrennverbote drohen nach Angaben des Kreises Nordfriesland Geldbußen bis zu 50 000 Euro.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Kiel betonte, „Ziel der Landesregierung ist es, die Bürger dafür zu gewinnen, keine Feuerwerkskörper zu zünden – aus Gründen der Unfallverhütung, um die Krankenhäuser nicht zusätzlich zu belasten, und insbesondere, um Kontakteinschränkungen einzuhalten.“

Wer Schlupflöcher sucht, um Feuerwerk doch abfackeln zu können, könnte Feuerwerkskörper der Kategorie F2 – das sind übliche Silvesterraketen oder Böller – beispielsweise in Dänemark und Polen erwerben und in Deutschland verwenden, falls diese entsprechend zugelassen sind. Diese Feuerwerkskörper müssen nach behördlichen Angaben mit einer CE-Kennzeichnung und einer dahinterstehenden aufgedruckten Registrierungsnummer sowie der vierstelligen Kennnummer der Prüfstelle versehen sein und einen Konformitätsnachweis besitzen.

„Vor der Nutzung von Feuerwerkskörpern mit zweifelhafter Herkunft wird ausdrücklich gewarnt“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums. „Illegale Knallkörper enthalten oft einen Blitzknallsatz, dessen Auswirkungen nicht vorhersehbar sind und der zu schweren Verletzungen führen kann.“

Der Landrat von Nordfriesland, Florian Lorenzen, appelliert: „Böller passen momentan einfach nicht in die Zeit. Wenn jemand durch Feuerwerk verletzt wird und ins Krankenhaus muss, wird das ohnehin belastete Klinikpersonal noch mehr unter Druck gesetzt. Das muss nun wirklich nicht sein.“

Wolfgang Sappert, der Amtsdirektor des Amtes Südtondern, weist auf die immer noch unter den Wildvögeln grassierende Geflügelpest hin: „Aus diesem Grund sollte auch an den Deichen nicht geknallt werden. Das kann die Tiere aufscheuchen und eine weitere Verbreitung der Tierseuche begünstigen.“ In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen ist das Knallen ohnehin verboten.

Wo darf denn Silvester in Schleswig-Holstein überhaupt noch Feuerwerk abgebrannt werden? Zum Beispiel in Neumünster. Die Stadt hat kein gesondertes Verbot des Abbrennens von Feuerwerkskörpern in bestimmten Stadtgebieten erlassen, dafür die Maskenpflicht verschärft. „In den Vorjahren gab es keine signifikanten Auffälligkeiten auf bestimmten Plätzen“, sagte ein Stadtsprecher. Und auch in jenen Stadtbereichen etwa von Kiel, Flensburg oder Lübeck, die nicht mit Verboten bedacht sind, ist Feuerwerk anzuzünden formal nicht verboten – ebenso außerhalb von festen Ortschaften.

Auf Föhr ist es nur an Stränden und auf Deichen erlaubt – aber auch dort ist ein Sicherheitsabstand von 200   Metern zu Gebäuden einzuhalten. Ausgenommen sind lediglich die Strände im Bereich der Stadt Wyk auf Föhr. Auf Pellworm ist das Knallen im Umkreis von 300 Metern um reetgedeckte Gebäude herum verboten. Auf den Halligen gilt eine Entfernung von 300 Metern vom Warftfuß.

Ein generelles, landesweites Verbot, Feuerwerk abzubrennen dürfte nach Einschätzung des Städteverbandes Schleswig-Holstein vor dem Hintergrund der Rechtsprechung kaum durchzusetzen sein.  dpa

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