Zimmer und Appartements stehen leer: In den ersten sieben Monaten ist die Zahl der Übernachtungsgäste im Norden im Vorjahresvergleich um 36,2 Prozent gesunken.
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Zimmer und Appartements stehen leer: In den ersten sieben Monaten ist die Zahl der Übernachtungsgäste im Norden im Vorjahresvergleich um 36,2 Prozent gesunken.

Minister Bernd Buchholz befürchtet Insolvenzwelle bei den Landgasthöfen

Pandemie bringt Milliardeneinbußen für Tourismus

Kiel – Die Tourismusbranche in Schleswig-Holstein hat infolge der Corona-Pandemie wahrscheinlich Umsatzausfälle in Milliardenhöhe erlitten. Dies geht aus dem Tourismusbarometer hervor, das der Sparkassen- und der Tourismusverband gestern in Kiel vorstellten. Demzufolge betrugen die Einbußen allein in den Monaten März und April etwa 880 Millionen Euro. Davon entfielen 510 Millionen Euro auf den Übernachtungstourismus und 370 Millionen auf den Tagestourismus. Mitte März war der Tourismus wegen der Pandemie faktisch zum Erliegen gekommen.

Dennoch steuere die Branche in Schleswig-Holstein besser durch die Coronakrise als andere Bundesländer. Bis August habe das Minus etwa 20 Prozent betragen, bis zum Jahresende könnten es zehn bis 15 Prozent sein.

Minister Bernd Buchholz hob das große Gewicht des Tourismus mit seinen gut 160 000 Beschäftigten als Wirtschaftsfaktor im Land hervor: Mit einer Wertschöpfung von rund fünf Milliarden Euro bei einem Bruttoumsatz von 9,7 Milliarden trage der Sektor fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Dessen Rückgang im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent sei der geringste aller Bundesländer gewesen, sagte der FDP-Politiker.

Dazu habe auch der Tourismus im ersten Halbjahr beigetragen. Dessen Wiederanfahren im Mai sei gerade zur rechten Zeit gekommen, sagte Marktforschungsexperte Karsten Heinsohn vom wirtschaftswissenschaftlichen Fremdenverkehrsinstitut dwif. An Nord- und Ostsee sei im Hochsommer schon fast wieder das Vorjahresniveau erreicht worden. Auch für den August sei mit positiven Zahlen zu rechnen. Die Vorbuchungen deuteten für Herbst und Winter ebenfalls auf eine gute Auslastung hin. Die Branche habe Preissteigerungen von zehn Prozent am Markt durchsetzen können, meinte Heinsohn. Dies helfe den Betrieben, Verluste abzufedern und Investitionen zu tätigen.

In den ersten sieben Monaten war die Zahl der Übernachtungsgäste im Norden im Vorjahresvergleich um 36,2 Prozent auf gut 3,3 Millionen gesunken. Bei den Übernachtungen gab es einen Rückgang um 28,4 Prozent auf 14,7 Millionen. Diese Angaben des Statistikamtes Nord erfassen nur Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten.

Für die nächsten Monate schloss Buchholz speziell mit Blick auf Landgasthöfe eine Insolvenzwelle nicht aus. Der Tourismus werde eine stattliche Zahl von Insolvenzen verkraften müssen, sagte auch Sparkassenverbandspräsident Reinhard Boll. Die Sparkassen bemühten sich, als Finanzierungspartner weiterhin zur Verfügung zu stehen. „Man kann aber nicht aufrechterhalten, was auf Sicht nicht überlebensfähig ist.“

Buchholz forderte die Betriebe auf, in den Bemühungen um eine hohe Qualität nicht nachzulassen: „Der Gast ist kritisch.“ Qualität sei das Zauberwort für die Branche. Die neue Regelung, wonach sich Urlauber aus Risikogebieten „freitesten“ können, sei weit praktikabler als die alte mit grundsätzlicher Quarantänepflicht von 14 Tagen. Damit könnten die Beherbergungsbetriebe umgehen. Die Menschen müssten das Gefühl haben, im Land sicher Urlaub machen zu können. Buchholz appellierte angesichts der gestiegenen Neuinfektionen an die Urlauber, die Corona-Regeln samt Kontaktangaben in Gaststätten strikt einzuhalten.  dpa

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