Besuch für maximal zwei Stunden: Experten befürchten Schlimmes für Einrichtungen

Pflegekammer: Fälle in Heimen werden steigen

Wohlfahrtsverbände und Pflegekammer weisen auf die Notlage bei der Schutzausrüstung hin. Foto: dpa

Kiel – Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein befürchtet mit den Lockerungen in der Coronakrise ein deutliches Ansteigen der Fälle in Pflegeheimen. Zur Frage, ob das überproportional hohe Sterben in den Heimen in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen werde, sagte Kammer-Präsidentin Patricia Drube: „Ja – sofern nicht sofort zu einer anderen Teststrategie übergegangen wird.“ Die Unterbrechung der Infektionsketten müsse Vorrang haben. Die Lockerung der Besuchsverbote bei gleichzeitiger Lockerung der allgemeinen Einschränkungen „wird einen deutlichen Anstieg der Infektionen in Pflegeeinrichtungen bewirken“, warnte Drube. Für die Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände sagte DRK-Vorstand Anette Langner, der Schutz von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen müsse weiter höchste Priorität haben.

Von heute an können Einrichtungen im Land unter strengen Hygieneanforderungen den Besuch einer Person für maximal zwei Stunden ermöglichen. „Neben dem Erfordernis, gerade alte Menschen in Pflegeheimen zu schützen, müssen diese auch vor Vereinsamung bewahrt werden“, hatte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) erklärt.

Pflegeberufekammer und Wohlfahrtsverbände hatten im Zuge der Krise eindringlich auf eine dramatische Notlage bei Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) in der ambulanten und stationären Langzeitpflege hingewiesen. Die Situation sei absolut paradox, hatte Drube kritisiert. „Alles bereitet sich auf die Versorgung von Intensivpatienten vor. Gleichzeitig können die Schutzmaßnahmen, die dazu beitragen, dass besonders gefährdete Menschen gar nicht erst zu Intensivpatienten werden, nicht gewährleistet werden.“

Eine Umfrage bei den Kreisen und kreisfreien Städten zum Stichtag 21. April ergab, dass fast die Hälfte der Corona-Toten im Land Heimbewohner sind. „Die Zahl ist erschütternd, aber nicht überraschend“, sagte Drube. Es sei die logische Konsequenz daraus, „dass der Langzeitpflegebereich schon vor der Pandemie personell schlecht ausgestattet war und zu Anfang auch bezüglich der Versorgung mit PSA überhaupt nicht mitgedacht wurde. Da waren nur Krankenhäuser und Arztpraxen im Blick.“

Die Verfügbarkeit von Schutzausrüstung hat sich laut Langner „ein bisschen verbessert“, insbesondere bei einfachen Schutzmasken. Nach wie vor sehr schwierig zu bekommen seien FFP3-Masken, Schutzkittel, Schutzoveralls. „Was vor einiger Zeit die Masken waren, sind jetzt die Kittel. Auch hier beginnen wir mit Überlegungen wie Selbstnähen, Mehrwegkittel und Ähnliches“, sagte Langner.  dpa

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