Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen für die Angeklagten

Plädoyers im Amrum-Mordfall

Die beiden Angeklagten stehen im Landgericht zwischen ihren Anwälten Burkhard Gerling (l.) und Klaus Husmann. J Foto: dpa

Flensburg - Im Mordprozess gegen zwei Männer, die auf Amrum einen Flüchtling getötet haben sollen, hat die Staatsanwaltschaft lange Haftstrafen gefordert. Ein zur Tatzeit 19-Jähriger soll nach Jugendstrafrecht zu acht Jahren wegen Mordes verurteilt werden, der ältere Angeklagte nach Erwachsenenstrafrecht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Die beiden Deutschen sollen den Flüchtling aus dem Irak am 27. April 2017 in die Dünen gelockt, getötet und anschließend im Sand vergraben haben. Die Staatsanwältin zeigte sich am Mittwoch am Landgericht Flensburg überzeugt, dass die beiden Männer den Iraker bereits mit Tötungsvorsatz in die Dünen gelockt und dessen Arg- und Wehrlosigkeit ausgenutzt haben. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei also gegeben. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der damals 19-Jährige dem Opfer nach einem zuvor verabredeten Zeichen, das der damals 26-jährige Angeklagte ihm gab, mehrfach mit einer Flasche ins Gesicht geschlagen haben.

Beide hätten das danach am Boden liegende Opfer geschlagen und getreten. Anschließend habe der ältere Angeklagte zugestochen. Beide versetzten ihrem 27-jährigen Opfer laut Anklage Schnitt- und Stichverletzungen.

Als Motiv nannte die Staatsanwältin, dass die beiden Männer glaubten, der Iraker habe die Schwester und Freundin der Angeklagten Monate vorher vergewaltigt. Dies habe die Frau ihrem Freund, dem damals 26-Jährigen, am Tattag erzählt. Er hatte sie zuvor mit Fotos konfrontiert, die den Iraker und sie zeigten. Die Staatsanwältin war aber überzeugt, „dass es diese Vergewaltigung nie gegeben hat“.

Auch die Verteidiger schlossen in ihren Schlussworten eine Vergewaltigung aus. Sie betonten aber, dass die Angeklagten davon überzeugt gewesen seien. Die Verteidigung sagte, die Männer hätten den Iraker nicht töten, sondern nur zur Rede stellen wollen. Die Situation sei eskaliert, als dieser nicht mit zur Polizei wollte. Die Verteidiger plädierten auf Totschlag.

Der Anwalt des jüngeren Angeklagten hielt eine Jugendstrafe von unter fünf Jahren für angemessen. Der Verteidiger des älteren Angeklagten forderte eine Strafe von acht Jahren. Das Urteil soll am Dienstag verkündet werden. J dpa

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