Plastikfilter mit zwei Rümpfen

Stadtwerke Schleswig säubern die Schlei von Kunststoffpartikeln – mit einem Katamaran

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Diese schwimmende Sonderanfertigung hat eine Siebvorrichtung zur Reinigung der Schlei. Sie soll den ganzen Sommer lang fahren und Partikel beseitigen. 

Schleswig - Einen extra angefertigten Katamaran mit Siebvorrichtung setzen die Schleswiger Stadtwerke seit gestern ein, um die Schlei von Plastikpartikeln zu reinigen. Diese sind unabsichtlich über die Kläranlage in den Meeresarm gelangt. Zwischen den beiden Katamaran-Rümpfen sind Siebe angebracht, die die Kunststoffteilchen aus dem Wasser filtern, aber auch sonstigen Müll abfischen.

Aktionen der vergangenen Wochen machten deutlich, dass eine große Menge an Plastikmüll an den Ufern liege, „die wir im Selbstverständnis unseres Unternehmens mitaufräumen“, sagte Wolfgang Schoofs, Geschäftsführer der Stadtwerke. Das Schiff soll während der Sommermonate täglich im Einsatz sein.

Die Plastikteile stammen aus geschredderten Speiseresten, die in der Kläranlage dem Faulschlamm zugemischt wurden, um Energie zu gewinnen. Insgesamt seien von November 2016 bis Anfang Februar dieses Jahres 488 Kilogramm zerkleinerte Kunststoffe in den Lebensmittelresten mitgeliefert worden, sagte Schoofs. Der Großteil davon sei bereits in der Kläranlage herausgefiltert worden. Seit Februar haben die Stadtwerke die Annahme der verunreinigten Speisereste gestoppt. Die Belastung der Kläranlage mit Kunststoffpartikeln nehme sukzessive ab, sagte Schoofs.

Auch die Uferbereiche werden weiter abgesucht und gereinigt. Ungefähr 150 Tonnen organischer Substanz, an der Kunststoffpartikel hafteten, seien mittlerweile entsorgt worden. Schoofs zeigte sich zuversichtlich, das Problem in den Griff zu bekommen. „Ich glaube, wir werden Herr der Dinge.“ Jetzt, während der Brutzeit, werden die Mitarbeiter der Stadtwerke von Biologen in den Schutzgebieten begleitet.

Fast anderthalb Jahre lang flossen Plastikteile in die Schlei. Die Stadtwerke sind zuversichtlich, sie bald herausgefiltert zu haben.

Morgen ist die Verunreinigung der Schlei mit Plastikteilchen Thema im Umweltausschuss des Landtags. Auf Antrag der SPD soll die Landesregierung einen Bericht über den Sachstand abgeben. Zudem soll sie erklären, ob weitere Klärwerke und Gewässer betroffen sind.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hatte direkt nach Bekanntwerden der Schlei-Verschmutzung kritisiert, dass überhaupt Lebensmittel in Plastik entsorgt werden, anstatt vorher von den Verpackungen getrennt zu werden. „Wir haben ohnehin viel zu viel Plastik. Wenn dann die Tomaten auch noch in der Packung weggeworfen und beides zusammen zerkleinert wird, ist das doch nicht mehr zu erklären. Wir werden uns politisch für Änderungen einsetzen“, sagte der Grünen-Chef im März.

Bisher erlaubt die Bioabfallverordnung bis zu 0,5 Prozent Kunststoffanteile im Material. 

 dpa

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