Oft gelingt es Einbrechern mit einfachen Mitteln, in ein Wohnhaus einzusteigen. Die Polizei warnt daher zur Vorsicht.
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Oft gelingt es Einbrechern mit einfachen Mitteln, in ein Wohnhaus einzusteigen. Die Polizei warnt daher zur Vorsicht.

Polizei-Prävention und Statistiken

Einbruch-Fallzahlen gehen im Januar wieder zurück

Flensburg - Von Alexander Preker. Wie die Täter ins Haus kommen, hat Kriminalhauptkommissar Kay Katzenmeier schnell erklärt. Es knackt kurz – und seine mit einem Schraubenzieher ausgerüstete Assistentin hat das am Donnerstag im Flensburger Rathaus aufgestellte Fenster binnen Sekunden aufgehebelt

Geld, Schmuck, Handys wären nun schnell weg, erklärt Katzenmeier den mehr als 200 Zuhörern auf einem Infoabend der Polizei zum Schutz vor Einbrechern. Doch bei den Einbruchsopfern blieben die ideellen Verluste und psychischen Schäden oft noch lange haften.

Hans-Jörg S. hat das gleich zweimal erlebt. Vor 15 Jahren stieg ein Täter durchs Schlafzimmerfenster seines Flensburger Bungalows, 2014 ein weiterer durchs Kinderzimmerfenster. Zahlreiche geerbte Schmuckstücke seiner Frau waren da bereits gestohlen. Nach dem ersten Einbruch war er noch gemeinsam mit Nachbarn jeden Abend durch die Siedlung patrouilliert. „Heute bin ich 74“, sagt er.

Wie S. wurden in Schleswig-Holstein zuletzt wieder mehr Menschen Opfer von Einbrechern. Nach leichten Rückgängen 2013 und 2014 stieg die Zahl der Delikte 2015 nach offiziellen Zahlen um 1000 oder etwa 15 Prozent auf rund 8500.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind dies viermal so viele wie in Bayern. Auch in und rund um Flensburg wuchs die Zahl nach Angaben von Kriminalpolizist Michael Raasch im vergangenen Jahr um einen ähnlichen Wert auf 362 Einbruchsfälle.

Doch warum gibt es in Schleswig-Holstein so viel mehr Einbrüche als in Bayern? „Das kann an Bevölkerungsstrukturen, der Polizeidichte, der Wirtschaftskraft oder anderen Faktoren hängen“, sagt Mathias Engelmann, Leiter der Bezirkskriminalinspektion (BKI) Flensburg. Mehr könne er nicht sagen – schließlich sei dies auch eine politische Frage. Für Hans-Jörg S. und andere bei dem Gespräch ist klar: Es braucht mehr Polizei auf der Straße.

Aus dem Innenministerium heißt es, 400 zusätzliche Frauen und Männer würden bereits ab 2016 eingestellt und ausgebildet. Zudem würden in den Polizeidirektionen bei den jeweiligen BKI Kommissariate für komplexe Ermittlungsverfahren eingeführt. Denn die Täter, häufig reisende Banden vom Balkan, hinterlassen meist nur wenig Spuren. Die Aufklärungsquote liegt laut Kriminalpolizist Raasch bei gerade mal zwölf Prozent. Meist kommt die Polizei Tätern dank Zeugenhinweisen auf die Spur.

Erste Erfolge im Kampf gegen den starken Anstieg der Delikte im Land kann die Polizei bereits verbuchen. So ging die Zahl der gemeldeten Wohnungseinbrüche im Januar in Schleswig-Holstein mit insgesamt 837 erstmals seit einem Jahr wieder zurück.

Auch dank der Flensburger Beamten, die in ihrem Gebiet zuletzt mehrere mutmaßliche Täter fassen konnten. Zehn sitzen in Untersuchungshaft, die Polizei geht davon aus, ihnen rund 25 Taten nachweisen zu können – Dutzende weitere könnten auch auf ihr Konto gehen.

Ist die Trendwende also geschafft? „Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls als Schwerpunkt der Landesregierung hat augenscheinlich noch nicht den gewünschten Erfolg gezeigt“, bemängelt Uwe Döring, Landesvorsitzender des Opferverbands Weißer Ring. Hans-Jörg S. hofft, dass es ihn nicht noch ein drittes Mal trifft.

dpa

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