Polizist erschießt Mann – Ermittlungen eingestellt

Lübeck – Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat die Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten wegen tödlicher Schüsse auf einen 52-Jährigen eingestellt. Der Polizist habe sich bei dem Vorfall am 2. November in Lübeck weder einer vorsätzlichen noch einer fahrlässigen Tötung des Mannes strafbar gemacht, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Nach den Ermittlungen sei davon auszugehen, dass der Mann zwei Polizisten gezielt provoziert habe, um durch einen Schusswaffeneinsatz seitens der Beamten den Tod zu finden.

Der 52-Jährige hatte den Ermittlungen zufolge mit einer Schreckschusswaffe auf die beiden Polizisten – einen 34-Jährigen und eine 21-jährige Beamtin – bereits geschossen, als sie aus ihrem Streifenwagen ausstiegen. Die Waffe sei nicht von einer scharfen Pistole zu unterscheiden, betonte die Staatsanwaltschaft.

Der Mann habe die Aufforderung ignoriert, die Waffe fallen zu lassen. Auch auf Warnschüsse des 34-jährigen Polizisten habe er nicht reagiert, vielmehr hinter Bäumen Deckung gesucht und erneut auf die Beamten gefeuert. Der Polizist habe zurückgeschossen und den 52-Jährigen vermutlich an Ferse und Bein getroffen.

Der Verwundete sei weitergehumpelt und habe auf der Veranda eines Hauses versucht, die Scheibe der Tür einzuschlagen. Mehrfache Aufforderungen, dies zu unterlassen und die Veranda zu verlassen, ignorierte der Mann. Als die Beamten sich in Richtung des 52-Jährigen begaben, habe dieser auf sie gezielt und mindestens einen Schuss in ihre Richtung abgegeben. „Der Polizeibeamte schoss daraufhin in Richtung des Mannes, bis dieser zu Boden ging. Insgesamt musste der Beamte in dieser Situation neun Schüsse aus seiner Dienstwaffe abgeben“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der 52-Jährige erlitt dabei zwei Einschüsse im Oberkörper linksseitig. „Todesursächlich war ein Verbluten in Kombination mit dem Einatmen von Blut.“ Die Motivlage des Mannes, erschossen werden zu wollen, und dass tatsächlich weder für die Polizeibeamten noch für die Bewohner des Hauses eine Gefahr von dem Getöteten ausging, sei nicht ersichtlich gewesen, betonte die Staatsanwaltschaft.

Laut Staatsanwaltschaft war der 52-Jährige in den Jahren 1989 und 1997 zu langjährigen Haftstrafen wegen räuberischer Erpressung und Raubes verurteilt worden.

Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU) und der zuständige Leiter der Bezirkskriminalinspektion Lübeck, Thomas Wolff, hatten am 4. Dezember im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags in Kiel über den Fall berichtet. Thema war auch ein Polizeieinsatz am 1. November in Ahrensburg (Kreis Stormarn) gewesen. Dabei war ein 55 Jahre alter Mann aus bislang ungeklärten Umständen gestorben. Der Mann habe bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand geleistet, sagte Geerdts. Deswegen hatten Beamten den Mann schließlich fixiert. An der Leiche des 55-Jährigen waren Druckverletzungen gefunden worden. Außerdem erlitt er laut Staatsanwaltschaft bei der Fixierung einen Kreislaufstillstand.  dpa

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