Ein Teil des über Jahrzehnte abgetorften Wittmoors wurde erfolgreich wieder vernässt. Vom ehemals dichten Birkenwald sind nur noch einzelne Baumstümpfe zu sehen.
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Ein Teil des über Jahrzehnte abgetorften Wittmoors wurde erfolgreich wieder vernässt. Vom ehemals dichten Birkenwald sind nur noch einzelne Baumstümpfe zu sehen.

Immer mehr Moore sollen wieder vernässt werden

Potenzial beim Klimaschutz

Glashütte – Vermoderte Stümpfe längst abgestorbener Birken ragen als Zeugen früherer Entwässerung noch vereinzelt aus dem sumpfig-flachen Moorsee. Längst wachsen hier wieder Torfmoose. Das kleine Wittmoor bei Glashütte an der Grenze zu Hamburg ist ein Beispiel für gelungene Renaturierung. Bereits vor Jahrzehnten wurden hier nach dem Torfabbau die Entwässerungsgräben wieder verschlossen und der Wasserspiegel angehoben.

Inzwischen hat sich in Deutschland die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Trockenlegung und landwirtschaftliche Nutzung von Mooren erheblich zum Ausstoß der klimaschädlichen Gase Kohlendioxid (CO2) und Lachgas (N2O) beiträgt. Mit rund 53 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Jahr 2019 waren das nach Angaben der Bundesregierung zuletzt fast sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland.

„Global gesehen sind Moore die wichtigsten Kohlenstoffspeicher, da kommen Wälder nicht hinterher“, sagt der Moorexperte der Umweltorganisation Nabu, Tom Kirschey. Sie nähmen etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche ein und seien auch noch weitgehend intakt.

Das Problem trockener Moore – in Deutschland betrifft das nach Kirscheys Angaben 98 bis 99 Prozent der Flächen – ist die natürliche Zersetzung der organischen Bodenschicht unter Sauerstoffeinfluss. „Die Aufgabe besteht darin, das in kürzester Zeit wieder umzukehren.“ Gerät der Torf wieder unter Wasser, wird der Abbauprozess gestoppt. Nach einiger Zeit beginnt die Speicherung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre, denn es wachsen Torfmoose und damit langfristig neuer Torf heran.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nennt als Ziel, in diesem Bereich die jährlichen Emissionen bis 2030 um fünf Millionen Tonnen CO2 zu reduzieren. „Ich würde mir wünschen, dass wir bei der Wiedervernässung und Renaturierung von Moorlandschaften schneller vorankommen.“ Als Naturschützerin sei sie hier von der letzten Bundesregierung sehr enttäuscht. Die Moorschutzstrategie sei nicht von allen Ressorts gemeinsam verabschiedet worden. „Das Wichtigste ist für mich, dass wir in der Praxis Dinge beschleunigen, besser vorankommen mit dem Naturschutz“, sagt Lemke.

Die Herausforderung ist gewaltig. Nach dem Pariser Klimaziel und dem Klimaziel der EU müssten alle Moore in Deutschland bis 2045 wieder nass gemacht werden, sagt Nabu-Experte Kirschey. „Wir müssen Lösungen für Flächeneigentümer und Flächennutzer finden.“

Nicht mehr entwässerte Moorflächen können weiter landwirtschaftlich genutzt werden. So ist der Anbau von Schilf möglich, das als Reet zur Dacheindeckung dient. Die Biomasse von Niedermooren kann nach Angaben des Greifswald Moor Centrums zur Energiegewinnung genutzt werden. Röhrichte könnten demnach für neue Baustoffe und Torfmoose als Torfersatz im Gartenbau eingesetzt werden.

Kirschey sagt, an Stelle von Milchkühen könnten Landwirte künftig auf Wasserbüffel setzen, die sich in Feuchtgebieten wohlfühlen und auch deren Vegetation fressen. In Brandenburg etwa sei das bereits ein gutes Geschäft, das ausgebaut werde.

Der Umbau müsse entsprechend gefördert werden. Die europäische Agrarförderung sollte entsprechend geändert werden. „Damit wir künftig eine moorfreundliche Landwirtschaft fördern und nicht mehr die Zerstörung der Moore subventionieren.“

In Schleswig-Holstein hat die Stiftung Naturschutz bereits zahlreiche Moorflächen erworben und wieder vernässt. Bis 2030 sollen es weitere 200 Quadratkilometer sein. In Erfde in der Niederung der Flüsse Eider, Treene und Sorge entsteht in Zusammenarbeit mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein landwirtschaftlicher Modellbetrieb. Der Bund fördert das Vorhaben mit mehr als zwölf Millionen Euro.

Von Sönke Möhl

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