Protest am Fliegerhorst Jagel

Musiker üben  Kritik an Kriegseinsätzen der Bundeswehr

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Bereits seit 31 Jahren ist das Musikernetzwerk „Lebenslaute“ bundesweit unterwegs, um gegen „lebensbedrohende Orte“ zu protestieren. Dazu gehörten in der Vergangenheit auch Aktionen auf einem Gentechnikfeld oder vor einem Abschiebegefängnis.

Jagel - Von Katia Backhaus. Am Fliegerhorst Jagel gab es am Montag ein Konzert, im Hintergrund ein Kampfflugzeug des Typs Tornado. Eine Protestgruppe aus Musikern hatte seit dem frühen Morgen alle elf Zufahrten und Eingänge zum Stützpunkt in der Nähe von Schleswig blockiert. Die 80 Orchestermusiker und Sänger des Netzwerks „Lebenslaute“ wollten so gegen einen aus ihrer Sicht „lebensbedrohenden Ort“ demonstrieren.

Der Betrieb sei „spürbar gestört“, schrieb das Netzwerk in einer Mitteilung. Ein Sprecher des Luftwaffengeschwaders bestätigte, dass es eine Protestaktion gebe. Weitere Details nannte er zunächst nicht.

Musiker: keine Kampfdrohnen anschaffen

Die Musiker riefen bei der Aktion dazu auf, Kriegseinsätze der Bundeswehr zu beenden und die geplante Anschaffung von Kampfdrohnen zu verhindern. Neben der Blockade wurde im Rahmen des Protests ein Konzert gegeben – unter dem Titel „Von Bass bis Sopran – gemeinsam gegen Rüstungswahn“ spielten die Musiker unter anderem ein Friedenslied aus Aserbaidschan, Ausschnitte aus Händels Oratorium „Alexanders Fest“ und „Die letzte Schlacht“ der Gruppe Ton Steine Scherben: „Unser Kampf bedeutet Frieden / und wir bekämpfen euren Krieg.“

Nach Angaben der Polizei war etwa eineinhalb Stunden nach Protestbeginn ein Tor kurzzeitig geräumt worden, damit Soldaten mit Bussen in den Fliegerhorst herein beziehungsweise heraus fahren konnten. Insgesamt haben laut Polizei seit dem frühen Morgen rund 150 Demonstranten die Zugänge und Tore blockiert. Die Protestaktion verlief friedlich.

Diskussion am Zaun: Die Aktivisten kamen auch mit Soldaten ins Gespräch – Ergebnis unbekannt.

In Jagel ist das Taktische Luftwaffengeschwader 51 stationiert, das auch dafür zuständig ist, Bildmaterial auszuwerten, um Ziele für Bomben- und Raketenangriffe festzulegen. Der Auftrag des Geschwaders „Immelmann“ in Jagel ist eigenen Auskünften zufolge vor allem Aufklärungsarbeit sowie Seekriegführung aus der Luft. Es ist mit Kampfflugzeugen vom Typ Tornado, moderner Aufklärungssensorik sowie einer Auswertungsanlage, die bei Bedarf auch verlegt werden kann, ausgerüstet. Die Aufklärungsarbeit, die von Jagel aus geleistet wird, soll dem Schutz der Bodentruppen in Afghanistan dienen.

„Tatsache ist: Von Jagel geht Krieg aus“

Das Netzwerk „Lebenslaute“ besteht seit 1986 und äußert jedes Jahr an einem anderen „lebensbedrohenden Ort“ musikalisch seinen Protest. Den schleswig-holsteinische Fliegerhorst haben die Musiker ausgewählt, weil von dort aus ihrer Ansicht nach Krieg geführt wird. In der Mitteilung zur Aktion heißt es: „Militärische Aufklärung geht jeder Kriegshandlung voraus und ist deshalb Teil der Kriegsführung. Tatsache ist: Von Jagel geht Krieg aus.“

Außerdem kritisieren die Aktivisten die Benennung des Standorts nach dem Jagdflieger Max Immelmann. Er gilt als einer der bekanntesten Kampfpiloten des ersten Weltkriegs, was auf der Anzahl der abgeschossenen gegnerischen Flugzeuge – insgesamt 15 – beruht. Laut dem Protestnetzwerk lebt der „Mythos Immelmann“ in der Bundeswehr fort, etwa indem sich die Mitglieder des Traditions-Geschwadervereins als „Immelmänner“ begrüßten. Dies zeuge von einer „sprachlichen Heroisierung von Krieg“ und der „Verharmlosung von Tötungen“. Diese Tradition sollte, so die Kritik, nicht übernommen werden.

Ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin gab sich ob der Aktion in Jagel gelassen: „Das sind demokratische Rechte, die dort ausgeübt werden.“ Man habe keine Probleme mit so einer Meinungsäußerung, solange alles friedlich bleibe.

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