Alle Lehrstellen besetzt – trotzdem reicht die Unterrichtsversorgung nicht

100 Prozent sind nicht 100 Prozent

Obwohl teilweise die Klassenräume leer blieben, liegt die Unterrichtsversorgung laut einer Mitteilung des Bildungsministeriums bei 100 Prozent. Foto: dpa

Kiel – Eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent an den allgemeinbildenden Schulen hat das Bildungsministerium in Kiel für das vergangene Schuljahr vermeldet. Aber fast zehn Prozent des vorgesehenen Unterrichts wurden nicht wie geplant erteilt, geht aus einem Regierungsbericht an den Landtag hervor.

Wie passt das zusammen? Die 100 Prozent beziehen sich laut einer Sprecherin auf die Zahl der jeweils vorhandenen Lehrerstellen, die ausreichen, um 100 Prozent zu gewährleisten. Das ist also erst einmal eine theoretische Größe. In der Praxis fielen zwei Prozent der Stunden ersatzlos aus, zum Beispiel, weil es keine Vertretung für kranke Lehrer gab.

Weitere 7,6 Prozent wurden nicht planmäßig erteilt, sondern es gab Vertretungsunterricht oder sogenannte organisatorische Maßnahmen. Von diesen deckte „Eva“ ein Fünftel ab, also „eigenverantwortliches Arbeiten“ ohne Lehrer. „Bei entsprechender Nachbereitung der Aufgaben mit der Lehrkraft ist ,Eva‘ in allen Stufen ein effizientes und pädagogisch sinnvolles Instrument“, heißt es im Regierungsbericht.

„Bei der Unterrichtsversorgung geht es voran“, findet Bildungsexperte Martin Habersaat von der SPD. Jamaika setze den Kurs der Vorgänger-Regierung fort, trotz sinkender Schülerzahlen mehr Lehrerstellen zu schaffen. Der Grad der Unterrichtsversorgung sage aber nichts darüber aus, ob und wie Stellen tatsächlich besetzt sind. So trage auch eine unbesetzte Stelle bei dieser Darstellung zu einer 100-prozentigen Unterrichtsversorgung bei. Zudem hätten 2018/19 an den Grundschulen fast zehn Prozent der Lehrkräfte ohne abgeschlossene Lehramtsausbildung unterrichtet. „Ohne diese Kräfte geht inzwischen gar nichts mehr an unseren Schulen“, sagte Habersaat. Sie bräuchten Unterstützung.

In dem Bericht listet die Regierung viele Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtssituation auf. Dazu gehören unter anderem mehr Lehrerstellen, die schrittweise Erhöhung der Bezahlung von Grundschullehrern und die geplante 250-Euro-Zulage für neue Lehrer in Problem-Regionen.  dpa

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