Rettungskräfte durchsuchen die Trümmer eines Hauses in Itzehoe. Zweieinhalb Jahre nach der dortigen Explosion will das Amtsgericht Itzehoe die Schuldfrage klären. - Archivfoto: dpa

Angeklagter Baggerfahrer weist Vorwürfe zurück

Tödliche Explosion in Itzehoe: Prozess gegen Bauarbeiter gestartet

Itzehoe - Im Prozess um die verheerende Explosion in Itzehoe vor zweieinhalb Jahren, bei der vier Menschen starben, hat der angeklagte Baggerfahrer die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Arbeiten an der Kanalisation seien vorschriftsmäßig und sorgfältig ausgeführt worden, sagte der 52-Jährige am Mittwoch.

Er muss sich gemeinsam mit seinem ein Jahr jüngeren Vorarbeiter wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und dem fahrlässigen Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Baggerfahrer sagte, er habe 34 Jahre Berufserfahrung und die Leitung lediglich einmal mit der Baggerschaufel leicht berührt. „Als ich den Widerstand spürte, habe ich sofort den Vorarbeiter benachrichtigt.“ Ein Kollege habe dann per Hand das Rohr freigelegt. Der Prozess ist zunächst auf drei Verhandlungstage anberaumt worden.

Am 10. März 2014 waren die Arbeiter bei der Erneuerung einer Regenwasserkanalisation in einem halben Meter Tiefe auf ein graues Metallrohr gestoßen, das direkt zum Haus Schützenstraße Nummer 3 führte. In den Unterlagen vom Katasteramt war das Rohr nicht verzeichnet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatten damals ergeben, dass eine Panne bei der Umstellung von Papier auf EDV in den 70er-Jahren Ursache war. Bei der Digitalisierung sei die beschädigte Gasleitung vergessen worden, hieß es.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen Mitarbeiter der Stadtwerke ermittelt, weil das Gasrohr nicht verzeichnet war. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Es habe sich nicht klären lassen, wer für den Übertragungsfehler verantwortlich war.

Die Staatsanwaltschaft warf jedoch den Arbeitern vor, sie hätten bei der Entdeckung des Rohres die Baggerarbeiten stoppen und mit der Hand weiterschaufeln müssen. Statt dessen hätten sie mit der schweren Baumaschine die Gasleitung aus einer Muffe gerissen, so dass Gas mehrere Minuten in den Keller des Gebäudes strömen konnte: Um 9.04 Uhr sei das Gas-Luftgemisch explodiert, sagte der Staatsanwalt.

Bei dem Unglück starben ein Arbeiter und drei Hausbewohner. 15 weitere Menschen wurden verletzt, darunter der Baggerfahrer. Die Explosion machte sechs Häuser in der Umgebung unbewohnbar. Rund 100 Menschen verloren in dem von engen Gassen geprägten Viertel mit seinen zweigeschossigen Gebäuden ihr Zuhause. Der Schaden wurde auf mehr als 1,2 Millionen Euro geschätzt.

dpa

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