Arbeitslosigkeit im Norden geht zurück

„Qualifizierung kennt kein Alter“

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Margit Haupt-Koopmann, Regionalchefin der Arbeitsagentur, berichtet über den Stand der Arbeitslosigkeit.

Kiel - Nach einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit in diesem Jahr erwarten Experten in Schleswig-Holstein auch für 2019 eine Abnahme. Das machten Margit Haupt-Koopmann, Regionalchefin der Arbeitsagentur, und Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP) in Kiel deutlich.

Im zu Ende gehenden Jahr sank die Zahl der Arbeitslosen auf rund 86.000. Damit wurde erstmals seit 1992 ein Wert von unter 90.000 erreicht, sagte Haupt-Koopmann. Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit hätten alle Personen- und Altersgruppen profitiert – Langzeitarbeitslose und über 50-Jährige ebenso wie Ausländer und Menschen mit Behinderung. Laut Buchholz sank auch die Unterbeschäftigung spürbar.

Erstmals wurde im September die Millionengrenze bei sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen übertroffen – um 3800. Die Zahl der Flüchtlinge in Jobs verdoppelte sich fast auf 3700. Insgesamt gab es bei den Stellen binnen zehn Jahren ein Plus von 176.000. Allein im Gesundheits- und Sozialwesen kamen 50.000 dazu.

Der Trend soll im kommenden Jahr anhalten. „Der Arbeitsmarkt ist weiterhin in einer guten Grundverfassung“, sagte Haupt-Koopmann. Sie rechnet damit, dass die Arbeitslosenzahl im Jahresmittel noch einmal um 5000 sinken und die Zahl der Jobs im Schnitt weiter über der Millionengrenze liegen werden. Den Arbeitsmarkt müsse man getrennt davon sehen, dass die Konjunktur an Fahrt verliere, sagte Buchholz. 

Denn wegen der demografischen Entwicklung stünden dem Arbeitsmarkt weniger Menschen zur Verfügung. Früher hätten sich Arbeitslose um Jobs beworben und keine bekommen, heute bemühten sich Arbeitgeber um Arbeitnehmer und bekämen keine. Insofern stehen für Haupt-Koopmann und Buchholz mittlerweile andere Herausforderungen im Vordergrund: Fachkräftesicherung, Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit sowie der Komplex Digitalisierung und Qualifizierung.

Besonderes Augenmerk legt die Arbeitsagentur auf Schulabgänger: „Wir wollen, dass kein Jugendlicher mehr ohne Ausbildung in den Arbeitsmarkt geht“, sagte Haupt-Koopmann. Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht könne man es sich nicht leisten, Jugendliche für den Arbeitsmarkt zu verlieren, sagte Buchholz. Je länger sie nach der Schule unversorgt seien, desto schwerer seien sie zu vermitteln. Prognosen zufolge zeichnet sich für das Jahr 2030 eine Lücke von 100.000 Fachkräften ab.  

dpa

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