Entscheidung aber noch völlig offen

Reaktivierung Rendsburgs ist im Gespräch

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Im vergangenen Jahr sind 5 200 Menschen aus dem Ausland auf der Suche nach Schutz nach Schleswig-Holstein gekommen. 

Kiel - Eine Wiedereröffnung der früheren Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg als Landesunterkunft für bis zu 500 Flüchtlinge ist noch offen. Innenstaatssekretär Torsten Geerdts sprach darüber gestern in der Kreisstadt mit Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD).

Er habe deutlich gemacht, dass das nicht von einem Tag auf den anderen möglich wäre, sagte Geerdts. „Die erforderlichen Kapazitäten für Schule und Kinderbetreuung, die ärztliche Versorgung, die Betreuung von Erwachsenen, den Wachdienst und auch die Polizei müssen erst wieder geschaffen werden.“

Abweichend von seinem früheren Konzept zieht das Land jetzt eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung ins Kalkül, auch um die Standorte Neumünster und Boostedt zu entlasten. Laut Innenministerium hat die Landesregierung dafür im Haushaltsentwurf zusätzlich zehn Millionen Euro eingeplant.

„Für den Fall, dass die Stadt Neumünster uns das für einen Ausbau der dortigen Einrichtung erforderlich Gelände nicht verkauft, brauchen wir einen Plan B“, sagte Geerdts. „Da ist Rendsburg natürlich eine naheliegende Option.“ Die dort 2015 eingerichtete Unterkunft mit Plätzen in der ehemaligen Kaserne und in Containern war wegen der gesunkenen Flüchtlingszahlen erst zum 1. Juli geschlossen worden. 2015 waren 35 000 Schutzsuchende ins Land gekommen, die an 13 Standorten untergebracht wurden. 2017 trafen noch 5 200 Flüchtlinge ein.

Der jetzt angestrebten dritten Einrichtung würde ebenfalls ein Querschnitt der aufzunehmenden Flüchtlinge zugewiesen, sagte Geerdts. Sie würde prozentual ebenso viele Flüchtlinge mit und ohne Bleibeperspektive erhalten wie Boostedt oder Neumünster.

Das bisherige Konzept sah vor, Neumünster als Alleinunterkunft von 850 auf 1 500 Plätze auszubauen. Das ließe sich nur realisieren, wenn er die Unterstützung der Menschen vor Ort hat, hatte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) gesagt. Er stellt sich auch die Frage, ob angesichts verschiedener Ethnien der Schutzsuchenden und längerer Verweildauer eine weitere Einrichtung ohnehin sinnvoll ist.

„Das führt zwangsläufig zu Spannungen, die natürlich auch Auswirkungen auf das Zusammenleben in und rund um die Einrichtungen haben“, sagte Grote. Der Gemeinde Boostedt hat das Land zugesagt, die dortige Unterkunft von maximal 2 000 Plätzen auf 500 zu verkleinern und bis 2024 zu schließen. „Deshalb prüfen wir natürlich Optionen für einen Plan B mit einem weiteren Ort“, sagte der Innenminister.

Hartmut König (CDU), der Bürgermeister Boostedts , begrüßte gestern das Angebot des Landes, den Kapazitätsabbau sowie auch die mittelfristige Schließung der örtlichen Landesunterkunft in einem Vertrag verbindlich zu regeln.

In der Unterkunftsfrage will Grote auch Konfliktpotenzial ethnischer Gruppen berücksichtigen. Auseinandersetzungen gibt es dem Ministerium zufolge etwa öfter zwischen Menschen aus Somalia und Eritrea. „Um auf solche Spannungen zu reagieren, brauchen wir auch langfristig eine Möglichkeit, Personengruppen zu trennen“, sagte Grote. 

 dpa

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