Zwischen Dezember und Ende Februar wurden auf Helgoland mehr Robbenbabys gezählt als jemals zuvor.
+
Zwischen Dezember und Ende Februar wurden auf Helgoland mehr Robbenbabys gezählt als jemals zuvor.

Rekord beim Nachwuchs

Robben erobern Helgoland

Helgoland - Die Kinderstube der Kegelrobben auf Helgoland wird von Jahr zu Jahr größer. In der jetzt zu Ende gehenden Wurfsaison seien 317 Jungtiere gezählt worden, sagt Helgolands Robbenexperte Rolf Blädel. „Das ist absoluter Rekord.“ In der vorigen Saison waren es nach Angaben des Vereins Jordsand 247 Robbenbabys gewesen.

Mit der zunehmenden Zahl von Wintertouristen auf Helgoland werde die Situation manchmal etwas schwierig, sagte Blädel. Die Robbenweibchen seien sehr aggressiv, um ihre Jungen zu schützen. „Wenn wir die Menschen aber darüber aufklären, dann geht das auch.“

„Im Winter schütten wir die Durchgänge in den Dünen zum Strand zu“, sagt Blädel. Darüber seien Aussichtsplattformen errichtet worden, um das „Robben-Watching“ zu erleichtern und Touristen etwas von den Tieren fernzuhalten.

Auch Blädel hat schon Bekanntschaft mit den wehrhaften Robben gemacht. „Ein Jungtier hatte sich mitten auf eine Straße gelegt. Ich wollte das Tier wegbringen. Das wollte die Robbe aber nicht, und schon hat sie mich ins Bein gebissen. Das ist sehr schmerzhaft.“

Die Wurfsaison dauert von Mitte November bis Ende Februar. Das extrem dichte weiße Fell schützt den Nachwuchs in den ersten Lebenswochen vor Kälte und Wind. Nach der Geburt müssen sich die kleinen Robben vor ihrem ersten Ausflug in die Nordsee eine isolierende Speckschicht anfuttern. Das schaffen sie dank der fetthaltigen Muttermilch in nur drei bis vier Wochen. Ihr Geburtsgewicht von zehn bis 14 Kilogramm hat sich dann auf rund 50 Kilo erhöht.

Noch sei genug Platz für die Tiere, sagte Blädel. „Es wäre dennoch gut, wenn es nicht sehr viel mehr werden. Aber darum kümmern die sich nicht.“ Und bis zum Beginn der Badesaison seien die Robben ohnehin wieder weg. Die Jungtiere erobern das Meer. „Die Muttertiere haben nach der Wurfsaison ein Viertel ihres Gewichts verloren. Die haben dann richtig Hunger und gehen in der Nordsee auf Jagd.“

Als angebliche Konkurrenten der Fischer waren Kegelrobben seit dem 16. Jahrhundert in der Nordsee nahezu ausgerottet. Erst 1967 wurden die Tiere wieder in deutschen Gewässern gesichtet: auf Amrum. 1975 dann auch auf Helgoland. Auf der Helgoländer Düne kam das erste Jungtier 1996 zur Welt. Heute gibt es im Wattenmeer wieder vier Kolonien mit Jungen: eine nahe der westfriesischen Insel Terschelling, zwei auf Sandbänken nahe Juist und Amrum sowie seit 2001 die Kolonie auf der Helgoländer Düne.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.