Schaulustige und Gäste verfolgen am Freitag die erste Fahrt der neuen Rendsburger Schwebefähre.
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Schaulustige und Gäste verfolgen am Freitag die erste Fahrt der neuen Rendsburger Schwebefähre.

Rendsburger Schwebefähre

Sechs Jahre nach einem Unfall ist das Verkehrsmittel seit Freitag wieder in Betrieb

Rendsburg/Osterrönfeld – Wasserfontänen und Hupkonzert der Feuerwehr, ein Shanty-Chor und auch ein Karussell – mit einem kleinen Volksfest feiert Rendsburg die Rückkehr eines Wahrzeichens. Sechs Jahre nach einer folgenschweren Kollision haben die Stadt am Nord-Ostsee-Kanal und die Gemeinde Osterrönfeld auf der anderen Kanalseite ihre Schwebefähre zurück.

Am Freitag um 12.56 Uhr setzte sich der Neubau der historischen Fähre mit prominenten Gästen wieder von Osterrönfeld aus in Bewegung und erreichte in weniger als zwei Minuten Rendsburg.

„Auf der ganzen Welt gibt es nur acht solcher Fähren“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverkehrsminister, Daniela Kluckert, bei der Inbetriebnahme. In der neuen Schwebefähre sei neueste Technik verbaut. Sie solle möglichst 100 Jahre ihre Arbeit verrichten. „Für die Bundesregierung stand schnell nach der Havarie fest, alles zu veranlassen, dass dieses historische und für die Region wichtige Verkehrsmittel in seinem filigranen Erscheinungsbild ersetzt wird.“

Die 1913 in Dienst gestellte historische Schwebefähre war am 8. Januar 2016 bei schlechter Sicht mit einem Schiff zusammengestoßen. Sie wurde durch die Kollision zerstört. Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung kam später zu dem Ergebnis, dass Nachlässigkeit sowohl beim Führer der Fähre als auch auf der Brücke des Frachters „Evert Prahm“ zu dem Unglück führten. Bei der Kollision wurden zwei Menschen verletzt, einer davon schwer. Der Neubau hat laut Wasser- und Schifffahrtsamt 13,5 Millionen Euro gekostet. Rendsburgs Bürgermeisterin Janet Sönnichsen bezeichnete die Schwebefähre als einzigartiges Baudenkmal. „Es tat weh, die Fähre nicht an der Brücke zu sehen.“ Das Herz der Menschen der Region hänge an ihr. Sie wolle weiter dafür kämpfen, dass die Fähre den Status erhält, den sie verdient. Nach dem Willen der Stadt soll die Fähre als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt werden.

Osterrönfelds Bürgermeister Hans-Georg Volquardts sagte, auch ohne den Titel bleibe die Fähre eine Attraktion. Rein optisch komme sie dem Original nahe und werde von den Menschen ebenso viel Wertschätzung erfahren. Für Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs ist klar: „Weltkulturerbe hin oder her, die Schwebefähre ist ein Wahrzeichen für die ganze Region.“

Die neue Fähre ist an Stahlseilen geführt und kann vier Autos sowie 100 Menschen befördern. Die Fähre hängt unter der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke und überquert den Kanal auf ihrer rund 125 Meter langen Strecke in drei Metern Höhe über dem Wasser. Die Überfahrt dauert nur 1,5 Minuten.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht in der Fähre einen Anziehungspunkt für viele Touristen aus dem Binnenland. Seit Jahrzehnten sei die Fähre für Urlauber ein beliebtes Ausflugsziel, sagte Buchholz. Deshalb dürfe der Blick nicht allein auf die Kosten gerichtet werden. „Die neue Schwebefähre ist ein technisches Glanzstück, das mit umfangreichem und detailliertem Expertenwissen und mit viel Herzblut gebaut wurde“, sagte der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Hans-Heinrich Witte. Nach Behördenangaben nutzten die Schwebefähre bis 2016 täglich rund 1 700 Radfahrer und Fußgänger. Sie mussten in den vergangenen Jahren einen anderen Weg nehmen, beispielsweise den nur 1 500    Meter entfernt gelegenen Fußgängertunnel nutzen. Außerdem fuhren früher täglich rund 350 Autos mit der Schwebefähre. Die Eisenbahnhochbrücke und die Schwebefähre stehen seit 1988 unter Denkmalschutz.

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