„Es riecht sehr gut“

Eine nordfriesische Druckerei produziert das Trump-Enthüllungsbuch auf deutsch

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Ab heute in den Buchläden: Die in Nordfriesland gedruckte deutsche Ausgabe des Trump-Bestsellers „Fire and Fury“.

Leck - Von Birgitta von Gyldenfeldt. Thomas Überhoff hält sein Gesicht an das frisch gedruckte Buch, nimmt einen tiefen Atemzug. „Es ist immer gut, ein neues Buch in den Händen zu halten“, sagt der Cheflektor Belletristik des Rowohlt-Verlags. „Vor allem riechen sie sehr gut.“ Das Buch, das er an diesem Tag in der Druckerei CPI Clausen & Bosse in Leck (Nordfriesland) in den Händen hält, ist für ihn ein ganz Besonderes: die deutsche Erstausgabe des Enthüllungsbuchs „Fire and Fury. Inside the Trump White House“. Es soll am Freitag erscheinen.

Gedruckt wird die deutsche Ausgabe von Michael Wolffs „Feuer und Zorn“ in Leck und Ulm (Baden-Württemberg). Beide Druckereien gehören zum französischen Unternehmen CPI. In drei Schichten und auch am Wochenende wird in der Kleinstadt nahe der Nordsee gearbeitet, damit das Buch pünktlich in den Läden stehen kann. Es wird teilweise auch direkt an große Buchhändler geliefert – so wie damals, als in Leck „Harry Potter“ gedruckt wurde.

Die Druckmaschinen laufen auf Hochtouren. Drucker Lars Erichson steht an einer der riesigen Anlagen. Er achtet darauf, dass das Papier ordentlich durch die Maschine läuft, nicht knickt und gut bedruckt wird. Neben ihm stehen große Drahtkisten mit Fehldrucken sowie Paletten mit fertigen Textseiten. Besonders aufgeregt, Teil des Trump-Buchs zu sein, ist Erichson nicht. „Das ist ein Buch wie jedes andere. Mein täglich Brot“, sagt er.

Verlagsmann Überhoff hingegen gerät ins Schwärmen, wenn er von „Feuer und Zorn“ spricht. Der Amerikanist wollte die Lizenz für die deutsche Ausgabe wegen seines „manischen Interesses“ an den USA unbedingt für Rowohlt haben und hat sie auch bekommen: „Wir waren einfach am schnellsten.“ Für ihn ist das Buch „ein wunderbares Lehrstück in Sachen Zerbrechlichkeit der Demokratie, dem man möglichst viele Leser wünscht“.

Keine Zeit zum Lesen

Auch Drucker Erichson will das Buch lesen. „Es ist sehr interessant, was da drüben abgeht.“ Vorab schon einige Textpassagen zu lesen, die druckfrisch aus seiner Maschine kommen, schafft er nicht. Er gucke natürlich mal drauf, aber nach der Arbeit hat er oft bereits vergessen, was er gesehen hat.

Vielleicht liegt es auch an der schieren Menge, die in Leck produziert wird. Bis zu 90 Millionen Bücher sind es laut Druckerei pro Jahr: Kinderbücher, Romane, Sachbücher, Bildbände. Neben Bestsellern werden auch Bücher in kleiner Auflage gedruckt, ebenso wie Broschüren und Flyer. Die englischsprachige Ausgabe des Trump-Enthüllungsbuchs für den europäischen Markt wurde Mitte Januar ebenfalls dort gedruckt.

Bis ein Buch wie „Feuer und Zorn“ für die Auslieferung in die Lager und Buchläden bereit ist, muss zunächst der Text vom Computer auf eine Druckplatte projiziert werden. Das lohnt sich nur für Bücher in hoher Auflage. Ansonsten wird in Leck zunehmend digital gedruckt. Nach einem knappen Dutzend weiterer Schritte werden der Buchdeckel und der Block verbunden, erklärt der technische Leiter Sven Isecke. Anschließend wird das Buch eingeschweißt und für den Versand bereit gemacht.

Aus der Höhe der Startauflage macht der Verlag ein Geheimnis. Nur so viel wird gesagt: „Wir glauben, dass das Buch ein Erfolg wird“, sagt Überhoff. „Die Vorbestellungen haben die Erwartungen übertroffen.“

dpa

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