„Zora“ tanzt in Kieler Kinderklinik

Roboter, fast wie Menschen - für die jungen Patienten

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Kiel - Von André Klohn. In der Kieler Kinderklinik kümmern sich seit Neuestem nicht nur Pfleger und Ärzte, sondern auch menschenähnliche Roboter um die Patienten. Das hat viele Vorteile.

„Zoras“ Stimme klingt freundlich. Die Anweisungen des menschenähnlichen Roboters sind präzise: „Linkes Bein strecken“, sagt die 59 Zentimeter große Maschine und macht die Übung vor. Als erstes deutsches Kinderkrankenhaus setzt die Kieler Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II nach eigenen Angaben humanoide Roboter ein. „Das gibt es bisher noch nicht in deutschen Krankenhäusern“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Jens Scholz.

Die Roboter sollen kleine Patienten zu Fitnessübungen motivieren, an die Einnahme von Medikamenten erinnern, aber sie auch mit Star-War-Erzählungen oder Tanzeinlagen unterhalten. Etwa 30 Übungen beherrscht die Maschine. Zunächst kommen beide Roboter am Standort Kiel zum Einsatz, einer von beiden soll künftig aber in Lübeck genutzt werden.

Ein Ersatz für das Pflegepersonal sind „Zora“ und ihr Kollege natürlich nicht. „Die Roboter sollen unsere Therapie unterstützen, aber keine Physiotherapie übernehmen“, sagt Stefanie Fimm. Die leitende Physiotherapeutin des UKSH sieht in den Geräten eine „gute Motivationsunterstützung“ bei der Behandlung der Kinder. „Wir versprechen uns davon mehr Zugang zu den Kindern.“ Die Roboter sollten vor allem als Belohnung der Patienten nach der Physiotherapie zum Einsatz kommen.

Roboter beherrscht „Gangnam Style“

Dann tanzt der 4,5 Kilogramm schwere Roboter beispielsweise den „Gangnam Style“. Der Song von Psy schallt dabei laut aus seinen Lautsprechern in den Ohren. Freude bei kleinen Patienten dürfte aber auch „Zoras“ Performance der Star-Wars-Geschichte auslösen, inklusive geschmeidiger Lichtschwert-Bewegungen samt passender Klanguntermalung. Hilfreich könne „Zora“ aber auch dabei sein, an Kinder heranzukommen, deren Muttersprache nicht deutsch ist. „Wir können sie in verschiedenen Sprachen programmieren und mit ausländischen Kindern arbeiten“, sagt Fimm. Neben Deutsch sprechen die beiden Roboter bereits Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch und Niederländisch. Arabisch und Türkisch sollen folgen.

Klinikdirektor Ulrich Stephani tritt Befürchtungen entgegen, der menschliche Faktor werde damit abgeschafft. „Es ist ja nicht so, dass wir zu viel Pflege in den Krankenhäusern haben“, sagt er. Als „absurd“ bezeichnet er Gedanken, Roboter könnten als Ersatz für Pfleger agieren.

Förderung über 35.700 Euro

Mit 35.700 Euro hat die Förderstiftung des Klinikums die beiden Roboter finanziert. Das niederländische Akronym steht für „Zorg Ouderen Revalidatie en Animatie“, das heißt Altenpflege, Rehabilitation und Animation. Nach Angaben des UKSH sind weltweit bereits 400 Exemplare im Einsatz.

Pflegeroboter sind seit Jahren ein wichtiges Forschungsthema. Beispielsweise entwickelte das Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie „Alias“, um ältere Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen und zu Aktivität und Kommunikation zu motivieren. Forscher der Hochschule Ravensburg-Weingarten bauten den Assistenzroboter „Marvin“, um körperlich eingeschränkten Menschen das Leben zu erleichtern.

UKSH-Vorstandschef Scholz will mit seinem Klinikum eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung einnehmen und deshalb „gezielt hochmoderne Technik zum Wohl unserer Patienten einsetzen“. Für Roboter „Zora“ ist bereits eine weitere Aufgabe geplant: Sie soll im Rahmen eines Autismusprojekts zur Unterstützung eingesetzt werden.

dpa

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