Aktuelle und geplante Infrastrukturmaßnahmen im Land. 
 
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Aktuelle und geplante Infrastrukturmaßnahmen im Land.  

So steht es um die Verkehrsprojekte im Norden

Rückenwind und Rückschläge

Kiel – Nach jahrelanger Ungewissheit und Stagnation ist bei den großen Verkehrsprojekten im Norden 2020 einiges in Bewegung gekommen. Bei dem Megavorhaben mit europäischer Dimension, dem Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark, gab es sogar einen entscheidenden Schritt nach vorne. Eine Bestandsaufnahme:

Fehmarnbelt-Querung:

Ab 2029 soll ein 18 Kilometer langer Straßen- und Eisenbahntunnel Fehmarn und die dänische Insel Lolland verbinden. Er wird die Fahrzeiten zwischen den Boom-Regionen Hamburg und Kopenhagen verkürzen. Zur Freude der Wirtschaft und Enttäuschung von Naturschützern wies das Bundesverwaltungsgericht im November letzte Klagen ab. Nun darf auch in Deutschland gebaut werden.

Fehmarnsund-Querung:

Die markante alte Brücke zwischen Festland und Fehmarn wird dem Verkehr nach Eröffnung des Fehmarnbelt-Tunnels nicht gewachsen sein. Auch hier wird als Ersatz ein Tunnel geplant. Die Kosten beziffert die Bahn auf 714 Millionen Euro.

Autobahn 20:

Das Sorgenkind schlechthin. 2021 werden weitere Planungsunterlagen öffentlich ausgelegt. Seit Langem endet die von Stettin kommende Autobahn östlich von Bad Segeberg. Weitere Planungen wurden aus diversen Gründen gestoppt. Das Bundesverwaltungsgericht bremste 2018 den Weiterbau erneut aus und erklärte den 20 Kilometer langen Abschnitt von der A7 bis Wittenborn für rechtswidrig – wegen wasser- und artenschutzrechtlicher Bedenken und ungenügender Berücksichtigung des Fledermausschutzes in Bad Segeberg.

Der Weiterbau wird voraussichtlich mit dem neuen Elbtunnel starten. Das geht erst, wenn auch für die anschließenden Teilstücke auf beiden Seiten der Elbe Baurecht vorliegt. Die Bundes-Projektgesellschaft Deges geht davon aus, dass dies Ende 2024 für alle Abschnitte der fehlenden 80 Kilometer in Schleswig-Holstein der Fall sein wird. Auch hier sind Klagen möglich. Seriöse Angaben zu absehbaren Gesamtkosten sind laut Deges erst nach Abschluss aller Planungen möglich.

„Auch wenn die Planungen unter der Regie der Deges seit fast drei Jahren gut laufen, wünsche ich mir mehr Tempo“, sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP).

Nord-Ostsee-Kanal:

Mit der Erneuerung der Uralt-Schleusen in Kiel und Brunsbüttel und dem Ausbau der engen Oststrecke bekommt die weltweit meistbefahrene künstliche Seewasserstraße endlich die über Jahrzehnte versäumte Verjüngungskur. Das ist nötig für die immer größeren Feederschiffe, die Container ins Baltikum bringen. Havarien in Schleusen und auf der Strecke stören oft den Verkehr.

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. 500 Millionen Euro investiert der Bund binnen zehn Jahren in die 20-Kilometer-Engstelle zwischen Großkönigsförde und Kiel, insgesamt 2,6 Milliarden in Ausbau und Erhalt des Kanals. Die neue Schleuse in Brunsbüttel soll nun 1,2 Milliarden Euro kosten. 273 Millionen waren kalkuliert, als der Bau 2009 beschlossen wurde.

Rader Hochbrücke:

Die Planungsunterlagen für eine Zwillingsbrücke bei Rendsburg im Zuge der A7 wurden Ende November für einen Monat ausgelegt. Der Zustand der alten Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal ist so schlecht, dass sie nur bis 2026 hält. Dann soll die erste Ersatzbrücke freigegeben werden. Der Baustart ist für 2023 geplant. Für die zweite Brücke, die Richtung Hamburg führen wird, ist die Freigabe für 2029 vorgesehen. 62 000 Fahrzeuge täglich nutzen die Querung im Schnitt. Weil der Verkehr wächst, soll die A7 auch zwischen dem Anschluss Rendsburg/Büdelsdorf und dem Kreuz Rendsburg auf sechs Spuren erweitert werden. Gesamtkosten: 300 Millionen Euro.

Rendsburger Kanaltunnel:

Ein Dauerärgernis. Die 2011 gestarteten Bauarbeiten zur Sanierung und Modernisierung des Kanals unter dem Nord-Ostsee-Kanal sollten 2014 fertig sein. Doch es folgten immer wieder Verzögerungen wegen diverser Probleme. Bis zum Spätsommer war die Rückkehr zum vierspurigen Regelbetrieb für Ende 2020 geplant. Daraus wurde nichts, weil laut Kanalverwaltung die installierte neue Leittechnik nicht startklar ist. Einen neuen konkreten Termin gibt es nicht. So schnell wie möglich solle es gehen, hieß es. Normalerweise passieren täglich 50 000 Fahrzeuge den Tunnel.

Autobahn 21:

Beim Ausbau der B404 zur A21 zwischen Kiel und Elbe gab es Qualitätsprobleme mit der Fahrbahndecke. Von 111   Kilometern sind 56 fertig und acht im Bau. Zwischen Bargteheide und Stolpe rollt der Verkehr auf 50 Kilometern A21. Wann die gesamte A21 fertig wird, ist unklar. dpa

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