Impfkampagne nimmt Fahrt auf

Corona: Schleswig-Holstein leiht sich Tausende AstraZeneca-Dosen von Dänemark

  • Mirja Mader
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Dänemark hat die Impfungen mit dem Corona-Präparat von AstraZeneca gestoppt. Nun soll Schleswig-Holstein Tausende Impfdosen aus dem Nachbarland bekommen.

Kiel/Kopenhagen – Wie die dänische Regierung am Dienstagabend mitteilte, wird sie Schleswig-Holstein 55.000 Dosen des Impfstoffes des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca leihen. Die Regierung habe auf Anfrage Schleswig-Holsteins zugestimmt, den Regionen an der Grenze den Impfstoff als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Bundesland:Schleswig-Holstein
Landeshauptstadt:Kiel
Fläche:15.799,65 km²
Einwohnerzahl:2.903.773 (31. Dezember 2019)
Regierungschef:Ministerpräsident Daniel Günther (CDU)

In Schleswig-Holstein haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis einschließlich Dienstag insgesamt 798.611 Menschen eine Erstimpfung gegen Covid-19 bekommen. Davon haben 147.182 Menschen den Impfstoff von AstraZeneca als Erstimpfung erhalten.

Impfdosen sollen nach vereinbartem Zeitraum zurückerstattet werden

„Wir freuen uns sehr und sind dankbar, dass unser Nachbarland Dänemark sich bereit erklärt hat, 55.000 Dosen des aktuell dort nicht genutzten Impfstoffs von AstraZeneca für unsere Impfkampagne zur Verfügung zu stellen. Das zeigt die besondere Verbindung in der Grenzregion, und ich möchte mich im Namen der Landesregierung ausdrücklich für diese sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken“, sagt Ministerpräsident Daniel Günther.  

Wir freuen uns sehr und sind dankbar, dass unser Nachbarland Dänemark sich bereit erklärt hat, 55.000 Dosen des aktuell dort nicht genutzten Impfstoffs von AstraZeneca für unsere Impfkampagne zur Verfügung zu stellen.

Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holsteins

Als eine Art Darlehen sollen die Impfdosen nach einem vereinbarten Zeitraum zurückerstattet werden. Vorausgegangen war eine spezifische Anfrage des Ministerpräsidenten an die dänische Regierung, nachdem Dänemark sich dazu entschieden hatten, den AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria wegen der Gefahr von Blutgerinnseln selbst nicht mehr zu verwenden.

Die dänische Regierung wird Schleswig-Holstein 55.000 Dosen des Impfstoffes des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca leihen.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt den Impfstoff von AstraZeneca weiterhin, ebenso die ständige Impfkommission (Stiko). Sie hat sich dafür ausgesprochen, diesen Impfstoff in erster Linie für über 60-Jährige einzusetzen. Die Gesundheitsministerkonferenz hat am 30. März im Einvernehmen mit dem Bundesgesundheitsminister beschlossen, der Empfehlung der Stiko zu folgen.

Details der Leihgabe werden zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark besprochen

Die dänische Regierung hat noch nicht entschieden, was mit ihren anderen, nicht mehr zu eigenen Verwendung bestimmten, aber bereits gekauften AstraZeneca-Dosen geschehen soll. Die Details der Leihgabe würden nun zwischen Schleswig-Holstein und dem Königreich Dänemark unter Einbindung des Bundesgesundheitsministeriums besprochen, so der Ministerpräsident: „Schon jetzt hat unsere Impfkampagne in Schleswig-Holstein Fahrt aufgenommen – durch die zusätzlichen Dosen könnten wir nun noch schneller vorankommen.“

Schon jetzt hat unsere Impfkampagne in Schleswig-Holstein Fahrt aufgenommen – durch die zusätzlichen Dosen könnten wir nun noch schneller vorankommen.

Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holsteins

Der dänische Gesundheitsminister Magnus Heunicke erklärte zudem, er sei im Dialog mit mehreren Ländern: „Wenn wir mit einigen Ländern einen Tauschhandel machen können, bei dem wir AstraZeneca-Impfstoffe an sie senden und einige ihrer Pfizer-Impfstoffe zurückbekommen, ist das natürlich äußerst interessant.“ Diskutiert wird auch, ob es möglich ist, Vaxzevria an Freiwillige zu verabreichen. 270.000 Dosen sind zurzeit in Dänemark eingelagert, im Mai würden 350.000 weitere Dosen erwartet, berichtete die dänische Agentur Ritzau.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat zudem nach einer erneuten Überprüfung grünes Licht für einen weiteren Impfstoff gegeben, nämlich für den des US-Herstellers Johnson & Johnson. Er könne zwar tatsächlich in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die EMA am Dienstag in Amsterdam mit. Die Behörde hält aber daran fest, dass die Vorzüge, Covid-19 zu verhindern, höher zu bewerten seien als Risiken von Nebenwirkungen.

Johnson & Johnson teilte daraufhin mit, dass die Markteinführung seines Impfstoffes in Europa fortgesetzt werde. Das Präparat soll auch in Deutschland eingesetzt werden und die Impfungen beschleunigen – inzwischen ist ein Fünftel der Bundesbürger mindestens ein Mal gegen das Coronavirus geimpft. Mit Material der dpa.

Rubriklistenbild: © Christophe Ena / picture alliance / dpa / AP

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