Dokumente aus eingestürztem Stadtarchiv

Schleswig trennt sich von Kölner Dokumenten

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Landesarchivdirektor Rainer Hering (r.) begutachtet mit dem stellvertretenden Leiter des Kölner Stadtarchivs, Ulrich Fischer, Dokumente aus der 2009 eingestürzten Einrichtung. 

Schleswig - Das Landesarchiv in Schleswig gibt die zwischengelagerten Akten aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv zurück. „Donnerstag früh soll der letzte Lkw abfahren“, sagte der stellvertretende Leiter des Kölner Archivs, Ulrich Fischer, gestern. Nach knapp acht Jahren kehrten damit mehr als ein Kilometer Akten, verpackt in 3 .000 Pappkartons verteilt auf 16 Lastwagen-Fuhren wieder zurück ins Rheinland.

„Schleswig ist das letzte weit entfernte Asylarchiv, das wir nun räumen können“, sagte Fischer. Beendet ist die Arbeit damit aber noch lange nicht. Vorsichtig öffnet der Historiker gemeinsam mit dem Direktor des Landesarchivs, Rainer Hering, einen der Kartons. Gerne habe man die eigenen Bestände dafür zusammengerückt, sagte Hering. „Das ist wie Weihnachten“, sagte Fischer, als er den Deckel hebt.

Gleich neben Aufzeichnungen über den Hansetag im 16. Jahrhundert lagern mit Schreibmaschine geschriebene Schnipsel aus dem 20. Jahrhundert. Per Hand müssen diese sogenannten „Köln-Flocken“ gesichtet, sortiert, gereinigt und schließlich wieder zusammengesetzt werden. Dennoch ist Fischer zuversichtlich, dass nicht mehr als fünf Prozent der Bestände dauerhaft verloren gingen, als das Archiv im März 2009 durch Pannen beim Bau einer U-Bahn einstürzte. 27 Regal-Kilometer Akten landeten damals im Dreck.

Tausende Freiwillige hatten geholfen, die Akten zu sichern, sagte Fischer. Auch die Schleswiger Bibliothekarin Angela Hesseler war 2009 mit dabei: „Einerseits hätte man heulen können, doch die Hilfsbereitschaft der Kölner, vom Rentner über die Hausfrau zu sehen war ein wahnsinniges Gefühl.“

Da die Kataloge auch damals bereits digitalisiert waren, so Fischer, der die Verladung in Schleswig überwachte, könnten die Dokumente nun zugeordnet und das meiste bereits wieder genutzt werden. 60 Prozent habe in einem ersten Durchgang identifiziert werden können. Ohne die Solidarität aus Schleswig und anderen Orten wäre das aber nicht möglich gewesen. Und bis sämtliche Dokumente zumindest grob vom Baustaub gereinigt und neu erfasst seien, dauere es geschätzt noch 20 Jahre, sagte er.

Bis im ersten Quartal 2020 das neue Archiv in Köln öffnen soll, der Stadtrat hatte dafür 76 Millionen Euro freigegeben, würden die meisten Bestände nun in Düsseldorf zwischengelagert, sagte Fischer. „Das ist zumindest geografisch näher an Köln als an Schleswig.“ 

dpa

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