Grüne Baum- und Gestrüpphecken: Die sogenannten Knicks oder Wallhecken trennen Felder im Norden. ARCHIV
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Grüne Baum- und Gestrüpphecken: Die sogenannten Knicks oder Wallhecken trennen Felder im Norden. ARCHIV

Die Knicks gehören seit Monatsbeginn wieder den Tieren

Schonzeit für Waldersatz

Flintbek – Motorsäge und Heckenschere bleiben in den Schuppen: An Schleswig-Holsteins Knicks ist die Pflege zu Monatsbeginn eingestellt worden. Die in Deutschland einzigartigen Baum- und Gestrüpphecken dürfen nur den Winter über gepflegt werden. Ab März gehören die rund 45  000 Kilometer „lebenden Hecken“ zwischen Nord- und Ostsee den Tieren. „Sie nehmen ein Prozent der Landesfläche ein und prägen so im waldarmen Schleswig-Holstein das Bild einer gehölzreichen, vielfältig strukturierten Landschaft“, sagt Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer vom Naturschutzbund Deutschland in Schleswig-Holstein.

Auch wenn die sachgerechte Pflege der Knicks beendet ist, liegt abgeschnittenes Holz noch an vielen Orten in der Landschaft. „Wer nach dem Schneiden allerdings zu lange mit dem Abtransport wartet, gerät leicht in die Brutzeit und gefährdet damit Nester mit Gelegen und Jungvögeln“, erklärt Sprecher Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

„Schnittguthaufen erweisen sich schnell als ökologische Fallen, wenn sie in der Brutzeit geschreddert, verbrannt oder zu spät entfernt werden. Nester mit Gelegen werden zerstört und Jungvögel möglicherweise getötet.“ Und das ist verboten, denn auch die Gelege der heimischen Singvögel fallen unter das Bundesnaturschutzgesetz.

Wird das Schnittgut noch bis in den April hinein nicht entsorgt und aus diesem Grund bereits von Vögeln als Brutplatz angenommen, müssen die Haufen bis Ende September liegen bleiben. Wer die Vögel schützen will, sollte die Haufen nach dem Knicken zeitnah entsorgen, spätestens aber bis Mitte März, sagte Schmidt.

Knicks prägen seit rund 200 Jahren die Landschaft des waldarmen Bundeslandes. Die bis zu fünf Meter breiten grünen Wälle sind Waldersatz und für viele Tiere sowie Pflanzen die letzten Rückzugsräume. Nach Angaben des Nabu werden sie mittlerweile von rund 7 000 Tierarten als Ersatzlebensraum genutzt. In einem Kilometer Knick könnten bis zu 1 800 unterschiedliche Arten leben und bis zu 30 Vogelpaare brüten. „Die Vielzahl der vorkommenden Pflanzenarten und die bizarren Wuchsformen der Bäume und Sträucher mit Hohlräumen und undurchdringlichen Dickichten machen die Knicks für viele Tiere so attraktiv“, sagt Biologe Ludwichowski.

Viele Tiere leben sogar das ganze Jahr in den „Wallhecken“. So sichern die Vitamin-C-reichen Früchte der Heckenrosen – die Hagebutten – im Winter mehr als 25 Vogelarten das Überleben. Zehn Wildbienenarten und mehr als 100 andere Insektenarten sind auch auf die Wildrosen angewiesen. Und zehn der insgesamt 100 in Schleswig-Holstein vorkommenden Brombeerarten gibt es nur in Knicks.

Knicks wurden ursprünglich als Feldbegrenzung und Viehzaun gepflanzt. Heute empfinden viele Landwirte die begrünten Wälle zwischen den Feldern eher als eine Behinderung. dpa

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