Ausbildung auf der „Alexander von Humboldt II“ startet

Schulschiff sticht in See

Das Segelschulschiff „Alexander von Humboldt II“ hat auf der Weser grüne Segel gesetzt. Die Crew des Jahrgangs 2019 der Marineschule Mürwik in Flensburg startete am Freitag mit ihrer seemännischen Basisausbildung. Foto: dpa

Kiel/Las Palmas/Rostock – Die Ausbildung neuer Offiziersanwärter der Marine hat auf dem zivilen Segelschulschiff „Alexander von Humboldt II“ begonnen. Etwa 40 Kadetten sollten am Freitag im Hafen von Las Palmas auf der Kanaren-Insel Gran Canaria an Bord gehen, teilte ein Marinesprecher in Rostock mit. Die Nutzung des Dreimasters der Deutschen Stiftung Sail Training (DSST) sei eine Zwischenlösung, bis der Marine das eigene Schulschiff „Gorch Fock“ wieder zur Verfügung stehe. Sie wird derzeit aufwendig saniert.

Die „Alexander von Humboldt II“ sei über ihre Takelung als Bark in ihren Segeleigenschaften der gleich getakelten „Gorch Fock“ sehr ähnlich, betonte die Marine. Daher sei der zivile Segler „auch die bestmögliche Alternative“ zum Marine-Schulschiffschiff. Dies gelte, obwohl die „Alexander von Humboldt II“ mit 65 Meter und einer Segelfläche von gut 1 400 Quadratmetern deutlich kleiner sei als die 89 Meter lange „Gorch Fock“ mit mehr als 2 000 Quadratmetern Segelfläche.

Die Kadetten werden auch in der Takelage ausgebildet. Dazu wurde an Bord ein Höhensicherungssystem nachgerüstet und vom Germanischen Lloyd zertifiziert. Es sei mit den Sicherheitsstandards der „Gorch Fock“ weitgehend vergleichbar, hieß es. Im Jahr 2010 war eine 25-jährige Kadettin aus der Takelage tödlich abgestürzt. Danach wurden die Sicherheitsstandards auf der „Gorch Fock“ erhöht.

Die Crew des Jahrgangs 2019 der Marineschule Mürwik in Flensburg erhält damit ihre seemännische Basisausbildung. Vorgesehen sind fünf zweiwöchige Segeltörns mit je maximal 55 Marineangehörigen. Es werden jeweils 15 Kräfte der Stammcrew der „Gorch Fock“, 40 Offiziersschüler sowie 24 Crewmitglieder der „Alexander von Humboldt II“ an Bord sein. Das Training dauert bis 15. März.

Zur Ausbildung gehöre das einzigartige Berufs- und Arbeitsumfeld „See“, das in dieser Form und Intensität nur auf Segelschiffen erlebbar sei, erläuterte die Marine. Als Lerneffekt gehe es auch um den Zusammenhalt einer Schiffsgemeinschaft und ihr gemeinsames Handeln angesichts von Naturgewalten auf hoher See.

Die Marine hatte sich für die „Alexander von Humboldt II“ entschieden – auch um die Fähigkeiten der Stammbesatzung des Marineschiffs und die Expertise zum Betreiben eines Segelschulschiffs zu erhalten. Bereits im November und Dezember 2019 segelte ein Teil der „Gorch Fock“-Stammcrew dafür auf der „Alexander von Humboldt II“ mit, um die eigenen Fertigkeiten aufzufrischen. Die „Gorch Fock“ soll im Herbst 2020 fertig saniert sein und ihren Ausbildungsbetrieb 2021 wiederaufnehmen. Das Bundesverteidigungsministerium hatte beschlossen, die Sanierung der 1958 in Dienst gestellten Bark trotz der aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu vollenden. Die Kosten sollen 135 Millionen Euro nicht mehr übersteigen. Nachdem die Elsflether Werft insolvent wurde, hat die Bremer Lürssen-Werft die Sanierung übernommen. Auf dem Schiff bildet die Marine seit Jahrzehnten ihre Offiziersanwärter aus, Heimathafen ist Kiel. Die 2011 vom Stapel gelaufene „Alexander von Humboldt II“ hat nach Angaben des Bundes der Steuerzahler lediglich 15 Millionen Euro gekostet.  dpa

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