Kanzlerkandidat warnt vor Wahlkampf à la Trump

Martin Schulz diskutiert mit Pinneberger Schülern

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Martin Schulz spricht in Pinneberg mit Schülern. Der SPD-Kanzlerkandidat nimmt zwei Tage lang Termine im Land wahr. 

Pinneberg - Drei Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein und gut ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor einem Wahlkampf im Stil von Donald Trump gewarnt. Der US-Präsident habe alle Grenzen des Respekts eingerissen, sagte Schulz gestern vor rund 300 Schülern an der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg.

„Die Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien sind doch nicht meine Feinde, das sind in der Demokratie Wettbewerber“, betonte Schulz.

Man habe nicht das Recht, andere Kandidaten in ihren Persönlichkeitsrechten mit Fake News, Shitstorms oder anderen Mitteln herabzuwürdigen. „Das, was er (Trump) in seinem Wahlkampf gemacht hat, ist das Gegenteil von Respekt“, sagte Schulz. Gleichwohl sei Trump der frei gewählte Präsident der USA. Damit verdiene er den Respekt, den ein deutscher Kanzler ihm entgegenzubringen habe. Als Kanzler wäre er zur Zusammenarbeit bereit. „An mir soll’s nicht liegen.“ Er glaube im Übrigen, das Ämter Menschen prägten, und setze darauf, dass es am Ende auch einen respektvollen Umgang von Trump mit anderen Politikern geben werde.

Der langjährige EU-Parlamentspräsident verteidigte die Europäische Union als „Gegenkonzept zum Trumpismus“. Er warnte vor der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und dem niederländischen Politiker Geert Wilders. Diese seien Ultra-Nationalisten und Antidemokraten, sagte Schulz. „Diese Leute wollen die EU zerstören.“ Sie dürften darum keine Mehrheit bekommen.

Schulz plädierte für die Beibehaltung der Sanktionen gegenüber Russland, solange das Land nicht das Abkommen von Minsk zur Beilegung des Ukraine-Konflikts vollständig umsetze.

„Pinneberg liegt mir sehr am Herzen“

Der Kanzlerkandidat betonte, dass er ein gutes Verhältnis zu Russland anstrebe, aber der Umgang mit Präsident Wladimir Putin sei nicht leicht. Russland unterstütze auch den Wahlkampf von Le Pen in Frankreich mit Krediten.

Die Oberstufenschüler stellten viele weitere Fragen zur EU und zur internationalen Politik. Die Landespolitik und strittige Themen wie Flüchtlingspolitik, Anti-Terror-Kampf oder Euro-Krise spielten keine Rolle.

Einer der Schüler konfrontierte Schulz jedoch mit einem Zitat, in dem Pinneberg schlecht wegzukommen scheint. Als EU-Abgeordneter habe Schulz einmal über das Europaparlament gesagt: „Wir vertreten 500 Millionen Menschen, aber wir haben eine Wahrnehmung wie der Kreistag von Pinneberg.“ Schulz erklärte dazu, es sei ihm nur um den Vergleich der geringen Außenwirkung beider Parlamente gegangen. Er habe hohen Respekt vor den Kommunalpolitikern. Sie seien die wirklichen Helden der Politik. „Asche auf mein Haupt“, entschuldigte sich Schulz und versicherte den Schülern: „Pinneberg liegt mir sehr am Herzen.“ 

dpa

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