Landesparteitage: SPD und Grüne geben ihren Vorleuten energisch Rückhalt

Schulz-Effekt stärkt Nord-SPD für den Wahlkampf

Lübeck/Neumünster - Von Wolfgang Schmidt. Torsten Albig fehlen drei Stimmen für 100 Prozent, Monika Heinold nur zwei – SPD und Grüne im Land haben ihren Spitzenkandidaten zur Landtagswahl am 7. Mai Traumergebnisse jenseits der 98 Prozent beschert.

Auf Parteitagen in Lübeck und Neumünster schnürten die Koalitionspartner am Wochenende ihre Personalpakete – die Grünen gut gestimmt, die Sozialdemokraten auffallend kämpferisch. „Am 7. Mai um 18 Uhr treffen wir uns wieder und wir werden diese Wahl gewonnen haben“, rief Albig gut 200 Delegierten zu.

Die Genossen brachten sich auch mit einem Topwert für SPD-Bundesvize Ralf Stegner bei der Wiederwahl zum Landesvorsitzenden in Laune. Zusätzliche Motivationsimpulse brachten der Schub durch die Entscheidung für Ex-EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als Kanzlerkandidat und künftigem Parteichef sowie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Wahlgewinnerin, die allen Umfragetiefs getrotzt hatte, gab den Genossen ein Wahlkampfmotto auf den Weg: „Das Trikot schwitzt nicht von alleine“. Albig griff das in einer kämpferischen Rede auf. „Lasst unsere Trikots schweißnass sein“, sagte er und wurde emotional: Es sei das größte Geschenk seines Lebens, für die SPD Ministerpräsident zu sein.

Unter Schulz sind offenkundig viele Genossen weit stärker als unter Sigmar Gabriel bereit, für die Partei zu kämpfen. Am traditionellen Parteiabend, auf dem viele bei dröhnender Musik feierten, machten Gespräche das immer wieder deutlich. Schulz habe eine neue Euphorie entfacht, sagte Albig. Da es in Lübeck der erste SPD-Landesparteitag nach dem Votum für Schulz war, hat die Bundespartei das Geschehen in Lübeckbesonders aufmerksam wahrgenommen.

Da sind die Grünen momentan ein bisschen neidisch auf den Koalitionspartner, weil ihre Partei so etwas wie den „Schulz-Schub“ verpasst hat. Das hätte anders sein können, wäre der Kieler Umweltminister Robert Habeck bei der Urwahl des Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl nicht – wenn auch extrem knapp – an Parteichef Cem Özdemir gescheitert.

Der Landesparteitag in Neumünster feierte Habeck dennoch mit Standing Ovations. Dass die Grünen bundesweit nur bei acht Prozent stehen, ärgert und besorgt ihn. Im Norden wird es für die gewollte Wiederauflage der Koalition mit SPD und SSW (Südschleswigscher Wählerverband) nur dann reichen, wenn die Grünen deutlich zweistellig werden.

Auch wenn sich die Grünen anderen Bündnisoptionen nicht grundsätzlich verschließen, distanzierte sich Finanzministerin Heinold (58) als Spitzenkandidatin ein Vierteljahr vor der Landtagswahl klar von der jetzigen Opposition: „CDU und FDP versprechen das Blaue vom Himmel, träumen von Jamaika und verlieren sich im Gestern.“

Der gerade von einer Erkältung genesene Albig (53) legte sich in Lübeck mächtig ins Zeug und die Messlatte hoch. Immerhin will die Nord-SPD nicht nur die Landtagswahl gewinnen, sondern auch bei der Bundestagswahl am 24. September stärkste Kraft im Norden werden. Und die AfD soll aus dem Parlament herausgehalten werden. An diesen Zielen müssen sich Albig und Stegner nun messen lassen. Der Name des designierten CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther fiel in Lübeck übrigens kein einziges Mal.

dpa

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