Sogar 3,2 Millionen Euro mehr als im Urteil berücksichtigt soll der 61-Jährige laut Casio veruntreut haben.  
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Sogar 3,2 Millionen Euro mehr als im Urteil berücksichtigt soll der 61-Jährige laut Casio veruntreut haben. Foto: dpa

Millionenschaden: Ex-Casio-Mitarbeiter muss vier Jahre in Haft

Schwachstelle im System

Kiel – Wegen Veruntreuung von 2,8 Millionen Euro aus der Firmenkasse der Casio-Europa-Zentrale in Norderstedt muss ein früherer Finanzmanager des Unternehmens vier Jahre ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht sprach den 61-Jährigen am Mittwoch wegen Untreue in 326 Fällen schuldig. Zudem verfügte die Wirtschaftsstrafkammer nach Angaben eines Gerichtssprechers die Einziehung des Schadensbetrags.

Der nicht vorbestrafte Angeklagte hatte frühzeitig gestanden, von 2014 bis 2019 unbemerkt Firmengelder auf ein eigenes Konto transferiert zu haben. Nach seinen Schilderungen fand er Schwachstellen in der Buchhaltung, die er für sich nutzte. So habe es zahllose Beträge gegeben, die keinem Vorgang mehr zuzuordnen gewesen seien, die niemand vermisst habe und die er schließlich über fingierte Lieferantenkonten an sich selbst überwies.

„Es gab keine Kontrollen, weder extern noch intern“, sagte er. Man habe es ihm leicht gemacht. Sonst hätte man „viel früher, vor vielen Jahren herausfinden können, was ich tat“. Auch Wirtschaftsprüfern sei nichts aufgefallen. Der Mann war für Buchhaltung und Zahlungsverkehr zuständig.

Casio Europa spricht sogar von sechs Millionen Euro Schaden. Diesen Betrag habe der Mann von 2004 an beiseite geschafft, teilte das Unternehmen auf seiner Internetseite im Februar mit. Ein Teil der Fälle gilt als verjährt.

Der Ex-Manager wurde laut Casio im September entlassen und sitzt in U-Haft. Der Haftbefehl bleibt auf Anordnung wegen Fluchtgefahr bestehen. Die Anklage hatte vier Jahre und drei Monate, die Verteidigung ein Jahr und acht Monate gefordert. dpa

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