Landesjugendpastor Tilman Lautzas von der Nordkirche ist schon zum siebten Mal als Seelsorger beim Festival. J Foto: epd

Beratung beim Wacken Open Air

Seelsorge bei harten Tönen

Wacken - Tilman Lautzas ist einer von vielen, die sich ab Donnerstag beim größten Heavy-Metal-Festival der Welt im schleswig-holsteinischen Wacken tummeln werden – aber seine Aufgabe ist kein Freizeitspaß.

Seit sieben Jahren koordiniert der 59-jährige Landesjugendpastor der evangelisch-lutherischen Nordkirche ein rund 20-köpfiges Seelsorgeteam: Psychologen, Sozialpädagogen, Diakone, Mediziner und Pastoren kümmern sich ehrenamtlich um die Sorgen der rund 75 000 erwarteten Konzertbesucher beim 28. Wacken Open Air.

Pastor Lautzas, warum engagiert sich die evangelische Kirche in Wacken für die Seelsorge von Metalfans?

Tilman Lautzas: Es gibt Menschen, die vor Ort Unterstützungsbedarf haben, die verzweifelt sind oder Kraft brauchen. Für sie gab es bisher kein passendes Angebot – bis die Kirche vom Veranstalter gefragt wurde, ob sie eine Festivalseelsorge organisieren kann. 2010 fingen wir mit nur acht Ehrenamtlichen an und haben das Team immer wieder aufgestockt.

Mit welchen Problemen richten sich Festivalbesucher an das Seelsorgeteam?

Lautzas: Im Grunde mit dem ganzen Spektrum, das man in anderen Seelsorgeformen auch hat. Viele Leute bringen ihre Probleme in Familie, Beruf und Beziehung mit. Unter den verschärften Bedingungen des Festivals drängen die Probleme dann nach oben. Drei Tage im Matsch, Lärm und Alkohol können zu Stress führen. Paare oder gute Freunde, die gemeinsam angereist sind, zerstreiten sich. Manche Besucher sind regelrecht traumatisiert und fühlen sich einsam.

Auch wenn ein Festival eine Auszeit vom Alltag ist, nehmen viele ihre Sorgen mit – und suchen nach Beratung. J Foto: dpa

Wo ist die Festivalseelsorge auf dem Open-Air-Gelände zu finden?

Lautzas: Wir sind mit einem Zelt bei der Einsatzzentrale neben Polizei, Security, dem Roten Kreuz und der Feuerwehr angesiedelt und im Schichtbetrieb rund um die Uhr erreichbar. Zudem sind Zweierteams auf dem Festivalgelände unterwegs. Von Anfang an mussten die multiprofessionellen Teams hohe Fallzahlen bewältigen.

Wird die Kirche von den oft kirchenkritischen Fans des Metal-Genres überhaupt ernst genommen?

Lautzas: Eine gewisse Spannung ist da und auch zu spüren: Manche Festivalbesucher und auch Medienvertreter fragen, „Was macht ihr denn hier, wo es hier doch um dunklen Kult und seine Symbolik geht?“ Und doch gibt es für die Kirche eine gewisse Affinität, denn in Wacken gibt es eine ganze Menge religiöser Symbolik – etwa im Bühnenaufbau und bei Shows. Erstaunlicherweise sagen viele Leute: „Toll, dass ihr da seid“. Es kann sein, dass man in einer wichtigen Situation ein gutes Bibelwort weiß, das weiterhilft. Ziel ist es aber nicht, Menschen zu bekehren. J epd

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