Phosphor im Badewasser

Fast jeder fünfte See im Land ist in schlechtem ökologischem Zustand

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„Baden verboten“ heißt es selten, aber der Öko-Zustand der Seen ist schlecht. 

Kiel/Berlin - Mit dem Selenter See im Kreis Plön ist nur einer der größeren Seen im Land in gutem ökologischen Zustand. Das hat eine Anfrage beim Umweltministerium ergeben. Von 62 untersuchten natürlichen Seen ab 50 Hektar Fläche befinde sich ein Drittel in mäßigem Zustand. Bei fast der Hälfte sei der Zustand unbefriedigend, bei 18 Prozent schlecht. Als Hauptursache dafür nannte das Ministerium zu hohe Phosphoreinträge, die zum größten Teil aus der Landwirtschaft stammten.

In ganz Deutschland ist nur jeder vierte See ökologisch in einem guten Zustand. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke hervor. Demnach erreichen nur 24 Prozent der Gewässer Messwerte, die nach EU-Kriterien als gut gelten. Fast drei Viertel der Seen sind nach Ansicht der Experten in einem mittelmäßigen bis schlechten Zustand. Nur 2,3 Prozent könnten als sehr gut bewertet werden. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, ihre Gewässer bis spätestens 2027 in einen guten Zustand zu bringen.

Das Umweltministerium in Kiel will über eine neue Düngeverordnung strengere Auflagen für die Landwirtschaft verhängen, um die Phosphorbelastung zu senken. An ökologisch wertvollen Seen will das Land zudem breite Randstreifen am Ufer einrichten.

Grünen-Politikerin Lemke sagte: „Fische und Pflanzen, die hier typischerweise vorkommen, finden in diesen Seen keinen Lebensraum mehr.“ Die Gewässer litten unter einer Vergüllung: „Der hohe Nährstoffgehalt lässt Algen übermäßig wachsen und die Seen somit veröden und verlanden.“

Trotz des schlechten ökologischen Zustands der Seen ist die Badegewässer-Qualität in Deutschland hoch. 97,8 Prozent der knapp 2 300 untersuchten deutschen Badestellen erfüllen nach dem jüngsten Bericht der Europäischen Umweltagentur die EU-Mindeststandards. Fast 91 Prozent der Badegewässer bescheinigt der Bericht sogar eine ausgezeichnete Qualität.

Für diese Bewertung wird die Belastung der Gewässer mit Krankheitserregern untersucht. Für die Beurteilung der ökologischen Qualität werden andere Messwerte erfasst – die Belastung mit Chemikalien, Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen. 

dpa

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