1958 fing alles an: Im Kraftfahrtbundesamt in Flensburg-Mürwik steht ein Mitarbeiter an einer Registriertrommel mit drehbaren Karteien, in denen auf schmalen Streifen die „Verkehrssünder“ alphabetisch geordnet vermerkt sind.  J Foto: dpa
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1958 fing alles an: Im Kraftfahrtbundesamt in Flensburg-Mürwik steht ein Mitarbeiter an einer Registriertrommel mit drehbaren Karteien, in denen auf schmalen Streifen die „Verkehrssünder“ alphabetisch geordnet vermerkt sind.

„Verkehrssünderkartei“ wurde vor 60 Jahren eingerichtet

Seit 1974 punkten Deutsche in Flensburg

Flensburg - Von Birgitta von Gyldenfeldt. Seit 60 Jahren gibt es das Flensburger Verkehrszentralregister – Punkte für Verstöße im Straßenverkehr werden aber erst seit 1974 gesammelt. Und das tun die Deutschen so fleißig, wie mancher seinen Wagen poliert: Jeder Zehnte hat Punkte auf dem Flensburger Konto.

Zu schnell gefahren, geblitzt worden, mit dem Handy am Steuer erwischt – das kennen wohl die meisten Autofahrer. All diese Vergehen werden in einem großen Register gesammelt, dessen Einrichtung Bundestag und Bundesrat am 25. Juli 1957 beschlossen. Das Verkehrszentralregister in Flensburg nahm am 2. Januar 1958 seine Arbeit auf.

In den ersten Jahren des Registers gab es noch kein Punktesystem, erklärt der Sprecher des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) Stephan Immen. In der sogenannten Verkehrssünderdatei wurde zunächst nur registriert, wenn jemandem die Fahrerlaubnis versagt oder entzogen wurde.

Erst 1974 wurde das Punktesystem mit seinem präventiven Charakter eingeführt – und das aus einem traurigen Grund: Anfang der 70er-Jahre waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Rekordwerte von mehr als 21 000 Verkehrstoten zu beklagen. Bei einem Fahrzeugbestand von 20,8 Millionen Fahrzeugen bedeutete dies statistisch gesehen 102 Tote pro 100 000 Fahrzeuge jährlich. Heute fahren gut 55 Millionen Autos, Lastwagen und Motorräder auf Deutschlands Straßen, die Zahl der Verkehrstoten hat sich im Vergleich zu den 70er-Jahren deutlich auf 3 206 im vorigen Jahr reduziert. „Das Verkehrszentralregister hat dazu einen erheblichen Beitrag geleistet“, ist Immen überzeugt.

Männer rasen besonders häufig

Punkte sammeln die Deutschen trotzdem reichlich: Nach Angaben des KBA hatte 2015 etwa jeder zehnte Einwohner einen Eintrag im Fahreignungsregister, das seit seiner Reform 2014 so heißt. Von den 8,6 Millionen Punkte-Inhabern waren etwa 6,7 Millionen Männer, meist sind es Geschwindigkeitsverstöße. Die Zahlen sind seit Jahren recht konstant.

So ein Register sei eine gute Idee, sagt der Verkehrspsychologe Rüdiger Born in Hamburg. Viele Menschen bekämen in ihrer Autofahrerkarriere mal einen Punkt. „Die überwiegende Zahl der Einträge wird innerhalb einiger Jahre aber wieder gelöscht.“ Sprich, der Autofahrer lerne dazu und halte sich eher an die Regeln, weil er weitere Punkten vermeiden wolle. Um so viele Punkte zu sammeln, bis der Führerschein entzogen wird, brauche es laut Born schon eine „große Beharrlichkeit“.

Ob es ohne das Register mehr Unfälle und Regelverstöße gäbe, lässt sich jedoch schwer sagen. „Die wenigsten Unfälle werden mit Vorsatz verursacht“, heißt es beim ADAC. Auch jetzt komme es immer wieder zu schweren Regelverstößen. „Dabei spielt häufig die Illusion eine große Rolle, jede Situation unter Kontrolle haben zu können.“  J dpa

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