Ministerin Britta Ernst sieht die Qualität des Schulunterrichts im Land auf einem guten Weg. - Archivfoto: dpa

Landtag diskutiert kontrovers über die Bildungspolitik

„Sie quengeln hier rum“

Kiel - Schleswig-holsteinische Schüler können in der 9. Klasse mit den besten aus Bayern und Sachsen mithalten – das hat die jüngste Ländervergleichsstudie offenbart. Ministerin Britta Ernst führte das gute Abschneiden in Englisch und Deutsch gestern im Landtag auf engagierte Lehrer und gute Politik zurück. Einen wichtigen Grund sieht die SPD-Politikerin auch darin, dass lähmende Strukturdebatten abgehakt wurden und das Zwei-Säulen-System mit Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mittlerweile akzeptiert wird.

„Dank des Schulfriedens konnten alle Kräfte auf die Verbesserung der Qualität von Schulen und Unterricht gelenkt werden“, sagte Ernst in einer Regierungserklärung. „Wir stehen zu unserem Schulsystem“, betonte sie. „Eine Rückkehr zur Dreigliedrigkeit – auch nicht versteckt durch getrennte Bildungsgänge innerhalb der Gemeinschaftsschule, wie einige es vorschlagen – wird es mit uns nicht geben.“ Die Studie zeige auch, dass weder die Verkürzung der Abiturzeit noch die hohe Inklusionsquote das Ergebnis negativ beeinflusst hätten.

Die Neuntklässler hätten in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt und gehörten nach klaren Verbesserungen in Englisch und Deutsch jetzt zu den besten in Deutschland, sagte Ernst. In beiden Fächern schafften die Schüler der 9. Klasse zusammen mit Bayern und Sachsen den Sprung unter die Top 3 in Deutschland. Weitere Gründe dafür sieht die Ministerin im Fortbildungsfleiß der Lehrer und Programmen wie „Lesen macht stark – niemanden zurücklassen“.

CDU-Fraktionschef Daniel Günther sagte, die Ministerin verpacke die Bildungspolitik der Koalition von SPD, Grünen und SSW freundlicher als Vorgängerin Waltraud Wende und pflege einen besseren Umgang mit der Opposition. Zentrale Fehlsteuerungen habe sie aber nicht korrigiert. So habe die Koalition die Leistungsschraube stark nach unten gedreht. „Wir brauchen einen Kurswechsel in der Bildungspolitik.“ Alle Schulabschlüsse müssten gestärkt werden, sagte Günther. „Abi für alle löst unsere Probleme nicht.“ Auch sei die Einführung eines „Einheitslehrers“ ein Fehler gewesen. Die Koalition habe das Ziel einer Einheitsschule nicht aus den Augen verloren.

Es werde auch künftig Gymnasien und Förderzentren geben, versicherte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Die CDU bekämpfe Gemeinschaftsschulen und mache Bildungspolitik von vorgestern. Günther habe eine Rede „aus dem postfaktischen Zeitalter“ gehalten, sagte Stegner. Die Studie habe dem Land fast durchgängig positive Trends attestiert. Demnach rangierten die Neuntklässler in Deutsch beim Lesen auf Platz zwei, in Orthografie und Zuhören auf Rang drei. In Englisch holten sie beim Hörverstehen den Spitzenplatz, im Leseverstehen wurden sie zweite.

Auch in Schleswig-Holstein habe die soziale Herkunft noch zu großen Einfluss auf die Leistungen der Schüler, sagte Ministerin Ernst unter Hinweis auf die Studie. Zudem seien die Geschlechterunterschiede zu groß. Vor allem in Orthografie seien Mädchen viel besser als Jungen.

Die Schüler stünden bundesweit auf dem Siegertreppchen, sagte die Grünen-Bildungspolitikerin Anke Erdmann und attackierte CDU-Fraktionschef Günther, weil er jammere und maule: „Sie stehen hier und quengeln rum“. Die Unterrichtsversorgung sei viel besser als unter Regierungsverantwortung der CDU. Viele Behauptungen Günthers hielten dem Faktencheck nicht stand, sagte Erdmann und nannte die Rede des CDU-Fraktionschefs einen „Akt der Leistungsverweigerung“.J dpa

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